Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Über die Abstammung der Juden
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Ober die Abstammung der Jtsdeo kurzköpfjg, dunkel, mit einer vorstehenden, gewöhnlich stark gebogenen Nasa und mit einer wulstigen Unterlippe. Es liegt auf der Hand, daß bei der Bildung des anthropologischen Typus der Aschkcnasim die vorderasiatische Rasse eine sehr große Rolle gespielt hat. Wie es dazu gekommen ist, erklärt Luschan auf folgende Weise: Im zweiten Jahrtausend vor unserer Ära blühte in Vorderasien das Reich der Hethiter, das auch Palästina umfaßte. Die Hethiter waren ausgesprochen armenoider Rasse. Nach Luschan bildeten sie in Palästina vor der Invasion Israels den Kern der einheimischen Bevölkerung. Israel war eine nicht besonders zahlreiche Erobererhorde, die, wie es in dec Geschichte öfter vorkommt, von der ei.-heimischen Bevölkerung schließlich aufgesogen wurde, ohne den rassenmäßigen Bestand der letzteren bedeutend zu beeinflussen. Die Tatsache, daß die Eroberer dabei der einheimischen Bevölkerung ihre Sprache aufgezwungen haben, ist eine Erscheinung, die in der Geschichte ebenfalls nicht selten ist. Was den bedeutenden blonden Einschlag bei den Juden anlangt, so führt ihn Luschan auf die Araoriter, von denen uns die Bibel nicht wenig erzählt, zurück. Die Amoriter waren nach Luschan ein hoch gewachsenes blondes, nordisches Volk, das in Israel aufgegangen sein soll. Die Theorie von Luschan halle Erfolg. Die Vielfältigkeit der jüdischen Typen und das Vorherrschen der Kurzköpfe unter den Juden wurde hier auf die Weise erklärt, daß man sich schon die palästinensischen Juden aus verschiedenen Rassenbeslandteilen zusammengesetzt dachte, und damit schien die Tradition, daß die Juden in ihrem langen Diasporaloben unur mischt blieben, gerettet zu sein. Bei näherer Prüfung läßt aber diese Theorie berechtigte Zweifel aufsteigen. Schon die nach der arabischen Wüste vorgeschobene Lage Palästinas macht es höchst wahrscheinlich, daß bei den expansiven Tendenzen der Nomaden dieses kleine Land wiederholt von ihnen überflutet werden mußte. Die Geschichte kennt wenigstens zwei Bewegungen der semitischen Nomaden, die dem Erscheinen der Hebräer vorangegangen waren. Die Semiten erschienen in Palästina noch zur Zeit der Gründung des semitischen Staates Akkad in Mesopotamien. Endgültig wird Palästina in der Mitte dos dritten Jahrtausends v. Chr. durch die Amoriter, die später Mesopotamien eroberten und Babylon gründeten, semitisiert Die Chananäcr, die Israel in Palästina vorgefunden hat, waren eigentlich mit Amoritern identisch und sprachen hebräisch. Israel hat diese Sprache eben den Chananaern entlehnt, und sie wird auch in der Bibel als 5