Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Politische Ideologien oder Politik für Menschen?
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 489 (sequence 3)
- Language
- German
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Politische Ideologien oder Politik für Menschen? nur um eine Erscheinung, die spätestens in einer halben Generation aus ganz natürlichen Gründen überlebt sein wird, und die zahlenmäßig heute nur noch wenige tausend Menschen umfaßt Aber optisch und akustisch haben die Menschen eine ungemein starke Wirkung für sich und für ihre Anschauung von der Bedeutung des Kriegers auch im Frieden gehabt. Die Marschkolonnen der S.A., die man teils als einen erbmassehaften Ersatz für die fehlende Wehrpflicht, teils als den Ausdruck eines erneuerten Kameradschaftsgeistes, teils auch nur als die Zusammenfassung von Erwerbslosen zum Machteinsatz wirtschaftlicher Interessenten in die innere Politik ansieht, werden als Bekenntnis dieser Menschen zu einer großen und tragenden Idee ausgedeutet, die nicht mehr wie; früher „Vaterland" oder Freiheit, sondern „Drittes Reich" und „Gehorsam gegenüber dem Führer" lautet. Die Öffentlichkeit sieht nur die braunen Kolonnen der S.A., und darum wirken sie in ihrem charakteristischen Auftreten als die Verkörperung neuen staatlichen und politischen Lebens. Wie aber, wenn Rotfront nicht verboten wäre und in einer, der S.A. ganz ähnlichen äußeren Erscheinung Menschen völlig anderer Zielsetzung der Öffentlichkeit vielleicht noch in größerer Zahl als die S.A. sichtbar und hörbar geworden wäre? Dann wäre der arbeitslose Gottfried Schulze vom Sturm 3 „für Deutschland" und der arbeitslose Friedrich Müller in der Rotfrontkolonne 6 „für die Weltrevolution" marschiert. Das kann nicht mit der Ordnung der Kolonnen und. dem Marschtritt zusammenhängen. Es müssen gedankliche Inhalte vorliegen, die lediglich gleiche Erscheinungsformen besitzen. Zeitbedingt sind die Formen, Wiederkehr ihr Inhalt Immer stand Besitz gegen Besitzlosigkeit, nationale Gebundenheit gegen menschheitliche Grenzenlosigkeit. Aber auch immer preßten historische Situationen die eine oder andere, mitunter auch beide Anschauungen zu religionshafter Dichte zusammen. Wenn die S.A. nicht ihren Rasseparagraphen, die K.P.D. nicht ihre Religionsfeindschaft hätte, welchem Ruf der deutschen Umwelt sollte der arbeitslose Jakob Levy als Jude folgen? Die gleiche Beweisführung ist für die Frage einer jüdischen Stellung zu Autarkie und freiem Welthandel, zu Agrarwirtschaft und Industriewirtschaft, zu demokratischem oder autoritärem Regime möglich, aber wohl überflüssig. Als Ziel unserer als Rechtskampf begonnenen Emanzipationsbewegung schwebt uns vor, unsere Beziehungen zur Umwelt zu normalisieren. Jeder Jude soll sich nach seiner Buchings-, Gesellschafts-, Berufs- und wirtschaftlichen Stellung im Gesinnungs- und Kampfverband mit den ihm entsprechenden oder ihn ansprechenden Gruppen der Umwelt verbunden fühlen. Das Problem von der 489