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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 490

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Politische Ideologien oder Politik für Menschen?
Date
1933-02-01
Page
490 (sequence 4)
Language
German
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Alfred Hirschberg Gegensätzlichkeit der Gruppen, die Gleiches wollen, würde an die Stelle der Antithese „Jude und Umwelt" den Gegensatz von „Jude in Umweltgruppe" und „Jude in anderer Umweltgruppe" setzen. Diese Betrachtungsweise stellt eine Grundfrage von ausschlaggebender Bedeutung: sie verlangt die Antwort darauf, ob Judentum bleiben oder aufgehen soll. Die Gegenwart hat diese Frage, die immer vorlag, wenn Judentum und Umwelt zur Regelung ihrer Wechselbeziehungen schritten, in einer merkwürdigen Veränderung erneut gestellt. In der Epoche des Liberalismus ist die Antwort dem Einzelnen überlassen worden. Sie gestattete ihm Lebensführung in verschiedenen Lebensbezirken. Widersprüche, die daraus entstanden, hatte er mit sich selbst auszutragen. Das entsprach der Lebensnotwendigkeit des jüdischen Menschen wie des Judentums. Darum war auch die Glanzzeit des Liberalismus Glanzzeit des deutschen Judentums. In ihr vollzog sich eine der seltenen rhythmischen Übereinstimmungen von Judentum und Umwelt in ihrer Zeit, aus denen äußerer Glanz und Stärke des Judentums erwächst. Diese Epoche gestattete dem Juden „... und Jude" zu sein. Die Forderung der Gegenwart verwirft das „U n d" und fordert das „N u r". Ob es sich um den „totalen" Staat handelt oder um die „bündische" Gemeinschaftsform oder um die Umgestaltung der Parteien von den Repräsentationszu den Integrationsformen: immer erhebt sich der Anspruch auf völlige Einordnung und Unterordnung der Persönlichkeit. Wer diesen Boden betritt, muß nicht die Schuhe von den Füßen, sondern seine Persönlichkeit ausziehen. Wahl¬ oder Auswahlheimaten stehen dem Individium nicht mehr zur freien Entscheidung; die „Freund-Feind"-Theorie tut ein übriges, um Halbheiten oder Unentschiedenheiten auszuschalten. Wohin auch Gruppen der neuen Form Menschen aus ihrem Bereich hinaus mit Aufgaben entsenden, tragen die Beauftragten ihre Gruppen mit sich. Verhandlungen vollziehen sich nicht von der Persönlichkeit zu der Persönlichkeit, sondern von Prinzip zu Prinzip. Wie steht innerhalb dieser Situation und bei dieser geistigen Lage der jüdische Mensch und wo ordnet er sich in die deutsche Gegenwart ein? Für ihn gibt es keine totale oder absolute Geborgenheit innerhalb irgendwelcher Umweltgruppen, es sei denn, er löst seine Zusammenhänge mit Judentum und Menschen, die Juden sind. Theoretisch wäre als Lösung die Übernahme der Umweltgruppierungstendenzen in die jüdische Gemeinschaft möglich — also eine Art integraler jüdischer Gruppe in Deutschland. Diese Erscheinung hätte mit dem Problem einer nationalen Minderheit oder mit einer jüdischen Kultur- 490

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