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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 486

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Politische Ethik
Date
1933-02-01
Page
486 (sequence 11)
Language
German
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Max Dienemann: „Politische Ethik" kundtun. Aber es wird und muß nach seiner Anlage und seiner Linie immer dorthin streben, wo der Staat als Inhaber und Träger einer starken Autorität gestaltet wird, und wo diese autoritäre Staatsauffassung dahin zielt, daß nicht aus dem Willen eines Einzelnen und aus Gewalt Recht bestimmt wird, sondern daß durch Autorität die Heiligkeit des Rechts als einer übernatürlichen Ordnung erhalten bleibt. Jüdisches Denken über Staatsdinge trat in die Welt als Theopolitik, das heißt, es wurde in der mosaischen Staatsgesetzgebung der Versuch gemacht, alle staatlichen und gesellschaftlichen Fragen aus der Idee eines von Gott gesetzten Rechtes zu ordnen; aus diesem Versuch bleibt für alle Zeiten die Forderung bestehen, alle gesellschaftlichen Probleme aus dem einen unteilbaren für den einzelnen wie für den Staat und die Gesellschaft geltenden Gesetz heraus aufzufassen. So kennt es keine Spaltung zwischen der Welt des Staates und einer anderen Welt; Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Einzelleben unterstehen ihm der unmittelbaren eigentlichen Ethik. Kann man Gogartens Gedankengänge auch da, wo man sie ablehnt, nicht als fehlerhaft bezeichnen, weil Achtung und Ehrfurcht sein muß vor dem Glauben eines anderen, auch da, wo man ihn nicht teilt und zu sehen glaubt, daß er in Irrwege führt, so sind doch auch in dem Buch Bemerkungen, die man als falsch zu bezeichnen, Recht und Pflicht hat. Gogarten spricht in der Einleitung davon, daß man, weil man vom Humanitätsgedanken ausging, ganz vergessen habe, daß Kriege Strafgericht Gottes über die Völker sind. Dieser Gedanke, ein großer und fruchtbarer, ist prophetischer Herkunft. Aber die Propheten haben Krieg Strafgericht Gottes genannt, um dadurch zu künden, daß der Mensch ihn abwenden kann, wenn er andere Wege einschlägt. Ihr Wort vom Krieg als Gericht Gottes ist darum der Aufruf an die Menschen, ihn abzuwenden. Davon aber ist in dem Buche kein Wort zu finden; was dort ausgeführt ist, führt nur zu dem Fatalismus hin, der Kriege als Fügung hinnimmt. Und ferner: Gogarten läßt allen kulturellen Zusammenbruch, den wir erlebt haben, daraus hervorgehen, daß man das Leben aus der Humanität aufbauen wollte. Aber da nun Humanität keineswegs selbstherrliche Eigenmächtigkeit und menschliche Souveränität ist, sondern recht verstanden ein Herkommen von Gott und Einmünden in ihn, — ist es nicht vielmehr so, daß aller kulturelle Zusammenbruch, Krieg, Verrohung und Gewalt daher kam und kommt, weil man nicht genug Humanität hatte, sie nicht genug zum Aufbau der Welt nutzte und sich ihrer als einer dem Staatszweck abträglichen Gesinnung entledigen zu dürfen glaubte? 486

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