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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 483

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Politische Ethik
Date
1933-02-01
Page
483 (sequence 8)
Language
German
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„Politische Ethik" die Gefahr, daß das Recht seines absoluten, von der göttlichen Offenbarung herstammenden Charakters entkleidet wird und dasjenige zum Recht gestempelt wird, was die herrschende Macht als solches ansetzt. Zu fragen wird ferner sein, wie bei dieser Anschauung vom Staat die ethische Durchdringung der politischen Betätigung bewirkt werde, das heißt, wie es zu erreichen ist, daß das Staatsleben dem sittlichen Gesetz unterstellt wird. Diese Frage wird als solche allerdings von vornherein von Gogarten abgelehnt werden. Er empfindet es als falsch, den Staat und sein ethisches Gesetz mit dem Evangelium in Verbindung zu bringen. Entsprechend seiner strengen Scheidung von Staat und Gesellschaft rügt er es, daß die Kirche überhaupt den Willen haben konnte, „sozial*' zu sein, nämlich sich in die Herstellung einer Ordnung einzumischen, die nach seiner Anschauung von der Selbstmächtigkeit des Menschen ausgeht, während Herstellung einer Ordnung Sache des Staates ist. Es werden also geradezu zwei Weiten aufgestellt, die nicht aufeinander zu beziehen seien, die Welt des Staates und die Welt des Glaubens. Wie hier nun die Brücke hergestellt werden kann, das ist aus der seltsam gewundenen Diktion für den nicht zu erkennen, dem, weil er nicht in dieser Glaubenswelt lebt, die Worte nur Worte bleiben. Und das ist schade, um so mehr, als die heute eingetretene Entseelung der menschlichen Beziehungen packend dargestellt ist. Die Seiten, auf denen fortreißend und energisch die Rückgewinnung der Menschlichkeit für die der Menschlichkeit beraubten Kinder dieser Zeit gefordert wird, auf denen gezeigt wird, wie namenlose Mächte die unmittelbaren Beziehungen der Menschen zueinander aufheben, liest man mit tiefer Ergriffenheit; auch die Schilderung von der Verkehrtheit des Nationalismus, der den Staat begründen will, gehört zu dem Besten des Buches. Es ist um so mehr schade,, daß man jenem Brückenschlag fern bleibt, als Gogarten sehr verständlich schildert, wie der Mensch der Gefahr ausgesetzt ist, die politischen Forderungen „ethisch eigentlich" zu nehmen und dann entweder in die Verabsolutierung der jeweiligen irdischen Ordnung oder in die Revolution gerät. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß, indem der Staat als eine der Ordnungen hingestellt wird, die in dem Bösesein des Menschen ihren Grund haben, er als eine mystische, unabhängig vom Menschen existierende Macht empfunden wird, während in allem, was in ihm geschieht, eben Menschen mit ihren Trieben zum Bösen wie zum Guten wirksam sind. Versucht man, neben all dies die jüdische Anschauung zu stellen, so bebegegnet man allerdings der Schwierigkeit, daß es eine jüdische Staatstheorie 483 31=

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