Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Italienischer und deutscher Fascismus
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 473 (sequence 10)
- Language
- German
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Italienischer und deutscher Faszismus ständisch aufgebauten Volksstaat zu verwirklichen. Wir wollen die Augen nicht vor der Gefahr verschließen, daß eine solche Hierarchie durch irgendeine besondere Gruppe monopolisiert werden kann. In Italien ist dies, wie wir sahen, durch die allmächtige fascistische Partei geschehen. Irgendeine Gefahr liegt aber in jedem System und es wäre falsch, es nur nach der augenblicklichen Konstellation ihrer Befürworter zu betrachten. Daß auch das parlamentarische System seine Schwächen und Unehrlichkeiten hat, hat Karl Schmitt klargelegt. Daß es auch die Gefahr einer Majorisierung des Judentums durch eine antisemitische Partei birgt, können wir ebenfalls erkennen. Und es ist nicht anzunehmen, daß die Juden in einem qualitativ statt quantitativ aufgebauten System zu kurz kämen, soweit es wirklich die Staatsbürger gleichsetzt. 3. Staat, Volk, Rasse Nicht vom fascistischen System selbst droht dem Judentum als Gesamtheit die große Gefahr, sondern von der Frage, die in Deutschland von einzelnen sich fascistisch gebärdenden Gruppen aufgeworfen wird, ob die Juden überhaupt in den Staat mit hineingenommen werden sollen. Es ist kein Zufall, daß gerade sie dem Antisemitismus verfallen. Von dem materialistischen Rassenantisemitismus soll hier nicht gesprochen werden; er ist schon oft behandelt und widerlegt worden. Viel schwieriger, weil er mit schwer faßbaren und schillernden Begriffen arbeitet, ist der Antisemitismus, der auf „Volksseele" und „Volksgeist" aufbaut. Es verfallen den gleichen Gedankengängen im Zionismus oft gerade sehr gute jüdische Elemente, die aus stolzem Ressentiment lieber einer anfechtbaren Ideologie nachjagen, als daß sie den vom Schicksal aufgegebenen Lebenskampf aufnehmen. Es ist nun interessant festzustellen, daß die national-fascistischen Richtungen in Deutschland, die die Frage, was ist Nation, was ist Volk, was ist Staat neu aufwerfen, dann am stärksten den antisemitischen Theorien offen stehen, wenn sie von einer breiten demokratischen Grundlage ausgehen. Denn da der Volkswille bei einer echten Volksgemeinschaft mit dem Willen des einzelnen zusammenfallen muß, muß diese Volks- und Rassenseele aufgesucht werden. Es bildet sich da eine nach rückwärts gerichtete historisch romantische Einstellung heraus, die von philosophischer Seite her in Deutschland unterstützt wird und einer autoritären Auffassung entgegensteht, die wir in der italienischen Lehre finden. Der Politiker Mussolini -drückt sich über den Begriff Volk folgendermaßen aus: „Nicht Rasse, noch geographisch bestimmtes Gebiet, sondern Geschlecht, das 473