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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 471

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Italienischer und deutscher Fascismus
Date
1933-02-01
Page
471 (sequence 8)
Language
German
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Italienischer und deutscher Faszismus licher Arm der Religionen aufzutreten. So hat er den Religionsunterricht in den staatliehen italienischen Schulen eingeführt. So hat er auch die Gründung der Unione delk- Comunita israelitiche, also eines Landesverbands der jüdischen Gemeinden, und die gesetzliche Konstituierung dieser Gemeinden selbst (Oktober 1930) durchgeführt. In Deutschland werden ebenfalls die mannigfaltigen Kirchen und Bekenntnisse dem Bestreben nach Totalitat ein Hindernis sein. Eine Gefahr für die jüdische religiöse Minderheit besteht nur in dem Augenblick, da eine Verbinjdung der katholischen und der protestantischen Kirche einen christlichen Staat ermöglichen würde. Doch steht dem wiederum die antireligiöse Gesinnung der hauptsächlichsten Träger des totalitären Staatsgedankens in Deutschland, insbesondere der N.S.D.A.P. entgegen. Von hier aus wird vielmehr auf viel gefährlichere Weise, wie wir sehen werden, eine andere Front des Judentums bedroht, und die Gefahr ist deshalb um so größer, als der Angriff zum größten Teil nicht mit wirklichen, sondern mit fiktiven Argumenten erfolgt. Daß durch das Bestreben nach Gesamterfassung des Staatslebens auch der Bereich der Wirtschaft durchkreuzt wird, ist selbstverständlich. Eine folgerichtige Durchführung des Systems müßte eigentlich zur Planwirtschaft führen. Doch wirken hier andere Grundprinzipien entgegen, so daß es nicht zu dieser engen Bindung des Staats an die Wirtschaft kommt. Durch sein Syndikatssystem hat Mussolini über Italien ein Kontrollnetz gezogen, dessen letzte Fäden in das Korporationsministerium münden, wodurch die ganze Wirtschaft dem Wink des obersten Führers gehorchen muß. Die Kompliziertheit des Aufbaus und seine Verquickung mit den Parteiinstanzen zeigt, daß dieses System mit einem wirklichen berufsständischen System, wie es in Deutschland von mancher Seite, auch von der N.S.D.A.P. gefordert wird, nichts zu tun hat Italien steht zwar die Priorität des Gedankens zu, es wird aber dort zu einer hohlen Konstruktion zum Zweck der politischen Beherrschung. 2. Persönlichkeit und Gemeinschaft Nach dem Problem der Grenzen des Staats gegenüber den nichtstaatlichen Bereichen soll noch kurz das der Grenzen nach innen, gegenüber den Einzelindividuen besprochen werden. Dem Prinzip des totalen Staates gemäß sollte man eine extrem-universalistische Einstellung, um den Ausdruck Spanns zu gebrauchen, erwarten. Doch widerspricht dem das fascistische Prinzip der verantwortungsbewußten Persönlichkeit als Trägerin allen Geschehens. An der ge- 471

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