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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 469

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Italienischer und deutscher Fascismus
Date
1933-02-01
Page
469 (sequence 6)
Language
German
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Italienischer und deutscher Faszismus auch geistige Richtlinien haben muß, nach der sich die Beeinflussung des totalerfaßten Menschen zu bewegen hat. So enthält die Doktrin in der Tat eine geschlossene Weltanschauung: sie ist „organisch", „geistig", „antipositivistisch, doch positiv". Sie „verschmäht das bequeme Leben", faßt es „ernst, religiös" auf. Denn der Fascismus ist „eine religiöse Auffassung, die den Menschen in seiner immanenten Beziehung zu einem höheren Gesetz, zu einem objektiven Willen sieht, der über das Einzelindividuum hinausgeht und es zu einem bewußten Glied der geistigen Gesellschaft macht." Diese Auffassung ist insofern religiös, als sie den Menschen in seiner ganzen Abhängigkeit und Bedrohtheit bloßstellt und den Einsatz seiner Persönlichkeit fordert um sich das „Leben zu gewinnen, das seiner würdig ist". Der ungläubige diesseitige Materialismus ist überwunden. So könnte diese Grundhaltung, bei der die „Arbeit, mit der der Mensch die Natur besiegt und die menschliche Welt (die wirtschaftliche, politische, moralische und geistige) sich erschafft", hoch bewertet wird und die den Menschen, losgelöst von den materiellen Sicherungen, Gott anheimgibt und Ihm gegenüber für den Einsatz seiner Kräfte verantwortlich macht, auch vom Judentum aus bejaht werden. In Wirklichkeit steckt in dieser totalitären Auffassung ein Stück imperialer römischer Tradition, wie überhaupt Mussolini klassisch-heidnische Züge aufweist. Da aber eine solche Staatsreligion angesichts der realpolitischen Lage, daß das italienische Volk in seiner überwiegenden Mehrheit katholisch ist, nicht durchführbar wäre, hat Mussolini, der sich vor seinem Regierungsantritt radikal-antiklerikal gebärdete, seinen Frieden mit der Kirche geschlossen. Jede Religion kann ihm willkommen sein, die als Erziehungsfaktor dient und daher seinen nationalen Bestrebungen nicht entgegenarbeitet. Bemerkenswert ist, daß er den Papst durch den Lateranpakt zu einem Territorialfürsten machte. Wo dagegen das Religiöse sich innerhalb des Staats politisch bemerkbar machen wollte, hat er es verboten. So tat er es mit der katholischen Partei der Popolari. Aus diesem Grund hat er auch die Freimaurer verboten, nicht wegen ihrer Ideologie, sondern weil die Loge eine politisch wirksame Gemeinschaft war, die bis 1922 die meisten Politiker in Italien stellte, während jetzt dieses Monopol auf die fascistische Partei übergegangen ist. Viel problematischer, weil viel tiefer, ist die Auseinandersetzung zwischen der Auffassung des totalen Staates und den religiösen Kräften in Deutschland. Am konsequentesten hat Friedrich Hielscher die Idee des totalen Staates durchgeführt, indem er auf Nietzsches Spuren wandelnd, ein neues „Seelentum" 469

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