Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Italienischer und deutscher Fascismus
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 467 (sequence 4)
- Language
- German
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Italienischer und deutscher Faszismus ventisten entwickelte, weil er für Italien auf Seite der Entente größere Chancen witterte als bei neutraler Stellung oder gar auf Seite des Dreibundes. So konnten die „Fasci di azione rivoluzionaria", die im Jahre 1914 die Intervention gefordert hatten, nach dem Kriege unter der gleichen Führung Mussolinis als „Fasci di combattimento", als Kampfbünde den Kampf gegen den internationalen Sozialismus, insbesondere den moskowitischen Bolschewismus aufnehmen. Es ist bekannt, daß der italienische Jude, der vor dem Kriege schon wirklich gleichberechtigt war und hohe Stellen im Staate inne hatte, sich mit Begeisterung am Kampf beteiligte; das ist wichtig für seine ganze Einstellung zum Nationalfascismus in Italien und der ihm zugrunde liegenden Geisteshaltung geworden. 3. Die geistigen Wurzeln. Soweit diese geistigen Grundlagen ih der Philosophie der Zeit zu suchen sind, ähneln sie sich in Deutschland und in Italien. Denn in beiden Ländern finden wir die schon angedeutete Reaktion auf den Positivismus. Der menschliche Wille, das Leben bäumt sich gegen die zwangsläufigen Gesetzmäßigkeiten auf. Nietzsche und Bergson geben diesem neuen Lebensgefühl Ausdruck. Doch geht, trotz ähnlicher Ursprünge die Entwicklung ziemlich verschiedene Wege. In Deutschland wachsen breite philosophische Schulen heran, die langsam, durch Klages, Heidegger, Jaspers — um nur einige Namen zu nennen — Verbindung mit der geistigen Jugend und mit den politischen und theologischen Fakultäten finden. In den romanischen Ländern, in Italien im besonderen, setzt sich die Bewegung, gemäß dem schon angedeuteten Volkscharakter, hauptsächlich ins Politische um. Die Bergsonsche Lehre vom „elan vital" und der „conscience creative" fällt bei.Sorel auf fruchtbaren Boden und bestimmt durch ihn wiederum die politische Entwicklung. Denn die lebendigsten, wenn auch numerisch sich in der Minderheit befindenden Kräfte des italienischen Sozialismus waren nicht, wie in Deutschland Marxisten, sondern Syndikalisten. Sorel und Bakunin waren ihre geistigen Väter. Mussolini lernt durch Pareto die Lehre Sorel's kennen, die die revolutionäre Tat als solche als heroische Geste preist und den Begriff der die Menschen bewegenden Mythen, insbesondere des Mythos der Gewalt, aufstellt. Nicht nach vorbestimmtem Gesetz und durch die Wirkung der Massen, sondern durch eine Elite der Starken und den persönlichen Entschluß Einzelner soll der Erfolg erreicht werden. Diese Entwicklung spiegelt sich, in der italienischen Philosophie auch bei Croce und bei Gentile, welch letzterer den „aktualen Idealismus" verkündet. 467 30*