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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 461

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Die politische Front des Liberalismus und der religiösen Mächte in der Volks- und Staatskrise
Date
1933-02-01
Page
461 (sequence 17)
Language
German
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Die politische Front des Liberalismus und der religiösen Mächte in der Volks- und Staatskrise dem als einer, den die Juden in zweifachem Sinn wesentlich etwas angehen: einmal als Genossen eines politischen Schicksals, als eine Gliedgruppe im aufgezeigten Schicksalsring von Volk und Staat mit ihrer ganzen Fragwürdigkeit, dann aber im besonderen als die geschichtlichen Träger einer die Zeiten und Völker überquerenden und sie je und je aufrüttelnden einzigartigen religiöspolitischen Haltung. An deren Bestand aber hat der Katholik — und, wie ich glaube, der Christ überhaupt — ein zentrales Lebensinteresse, das durch die gegenwärtige politische Problematik seine besondere Spannung gewinnt. Nim sind zweifellos an das Judentum in der Neuzeit zwei gefährliche Versuchungen herangetreten, deren Einbruch es weithin seine derzeitige innere und äußere kritische Situation verdankt. Da ist einmal der Liberalismus als Weltanschauung. Er hat zwar den Juden die gesellschaftliche und politische Befreiung und Eingliederung gebracht, hat aber dafür den Preis gefordert und teilweise erhalten, daß die geschichtliche Position des Judentums als religiös geformtes Volkstum im Leib der Völkerwelt, als „Pfahl im Fleisch" der Völker, eingeebnet wurde durch eine Vorwegnahme und Verweltlichung der messianischen Verheißung des Reiches. Das Ergebnis war eine liberale Internationalität und ein Ersatz der Tora als Lebensgesetz durch eine allgemeine humanitäre Ethik. Für diesen Prozeß sind die jüdischen Kreise gewiß nicht allein haftbar, aber er zeitigte bei den Juden im Zusammenhang mit ihrer besonderen Berufung und Aussonderung besonders starke Folgen. Diese spezifischen Formen liberaler Auflösung im Judentum, nicht das Judentum selbst, ist wohl zunächst in den Gegenaktionen der jungen antiliberalen und nationalen Bewegungen gemeint, wenn wir von den hypertrophen Formen des Nationalismus, von dem krankhaften Umschlag des völkischen Gedankens in die Rassenfrage absehen. Die zweite Gefahr, von der zu sprechen ist, schließt an die erste an und hängt mit dem Umschlag der liberalen Epoche in eine zunehmende „demokratische" Politisierung der Gesellschaftsmächte zusammen. Dieser Vorgang brachte nämlich ein starkes Auftreten jüdischer Führer, insbesondere Intellektueller an der politischen Front der gesellschaftlichen Gruppen: im Kampf um die staatliche Macht. Das ist ein Vorgang, in dem ein verhängnisvoller Abfall von der religiös-politischen Idee des Judentums nicht nur, sondern von seinem Lebensprinzip und wesenhaften Auftrag geschah: von seinem Auftrag nämlich, inmitten der natürlichen und künstlichen Nationen und Staaten als ein theokratisch berufenes und geprägtes Volk den staats- 461

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