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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 441

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Staat und Nationalismus
Date
1933-02-01
Page
441 (sequence 4)
Language
German
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Staat und Nationalismus der Gewalt und der klassenmäßigen Ausbeutung. Und so muß der Rationalismus den Kampf weiterführen. Diesmal erscheint der Rationalismus in der Gestalt des Sozialismus der verschiedenen Richtungen. Jetzt ist nicht nur mehr bloß der Staat der Gegenstand seiner immer gewaltiger werdenden Angriffe, sondern der Kapitalismus, dessen Gehäuse dieser Staat nur noch darstellt. Wie dieser Kampf auslaufen wird, kann keinem Zweifel unterliegen. Es gibt ein altes deutsches Weiswort: „Hunderttausend Jahre Unrecht machen noch keine Stunde Recht." Schon heute sind die antikapitalistischen Elemente der Völker weit in der Mehrheit. Wenn sie über den Weg zu ihrem gemeinsamen Ziele einig wären, könnte nichts sie hindern, das Antlitz der Welt völlig zu verändern, den Staat als Oberbegriff, den historischen Klassenstaat, aufzuheben, und die alte „Gemeinschaft" in ungeheuer erweitertem Rahmen in ihre unverlierbaren Rechte wieder einzusetzen. „Genährt wird einst das menschliche Geschlecht mit Wahrheit werden und getränkt mit Recht", sagt C. F. Meyer in seinem „Hutten". Ich habe in meinen letzten Schriften, in wissenschaftlicher Fassung in „Weder Kapitalismus — noch Kommunismus", in volkstümlicher Fassung in „Der dritte Weg" den Weg zu zeigen versucht, der zu dem gemeinsamen Ziele führt. Die Dinge liegen, geschichtsphilosophisch betrachtet, unendlich einfach. Die urtümliche Gewalt jener Anfänge hat sich in zwei Institutionen ihre Rechtsform, ihre Verfassungsform geschaffen, die einander ergänzen, deren jede ohne die andere unmöglich ist: die Unterwerfung des Menschen in der Gestalt von Sklaverei und Hörigkeit einerseits, und die Unterwerfung des Rodens, die Monopolisierung der Erde in Gestalt des geschlossenen, d.h. die Unterklasse ausschließenden Großgrundeigentums andererseits. Die „bürgerlichen" Revolutionen taten nur den ersten Schritt. Sie haben den Menschen befreit. Der zweite und letzte Schritt ist noch zu tun, und er wird bald geschehen: nun auch die Erde zu befreien. Damit wird das Klassen Verhältnis verschwunden sein, das immer noch besteht, trotzdem das formelle S t a n d e s Verhältnis beseitigt ist. Und damit werden verschwunden sein die beiden anderen Schößlinge aus der gleichen Wurzel: der Kapitalismus und sein Gehäuse, der Klassenstaat. Die Menschen werden wieder in „Gemeinschaft" leben. Die Logik führt zum gleichen Ergebnis wie die Ethik, und das beweist die Richtigkeit der Auffassung: nur dort, wo beide übereinstimmen, sind wir sicher, die Wahrheit erreicht zu haben. 441

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