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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 425

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Der totale Staat
Date
1933-02-01
Page
425 (sequence 4)
Language
German
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Der Totale Staat Arbeiter. Dieses Volk des gleichen Stimmrechts konnte durch die neue Oberklasse, die sich der Staatsmacht bediente, die Gesellschaft im engeren Sinn, nur eine Zeitlang beherrscht werden. Die bürgerlichen Parlamente, als Repräsentation von Bildung und Besitz, mußten zunächst durch den Zensus die nicht vertretenen Massen außerhalb des Staates stellen. Eine Versammlung gebildeter Menschen schien die Vernunft des Ganzen allein zu vertreten, wenn auch nur bei den selbstbewußtgewordenen Völkern, so daß nicht nur eine soziale Spannung und Ständeschichtung von gebildeten Bürgern und ungebildetem Volk, sondern auch eine nationale Spannung in vielen Staaten zwischen der Staat und Geschichte bestimmenden Hauptnation und den Nationalitätenvölkern bestand. Da aber die Parlamente die Bewilligung und Verwendung der Steuer kontrollierten, so mußte mit der allgemeinen Steuerpflicht auch die Integration zur politischen Einheit erweitert werden. Jetzt entstand die demokratische Krisis mit der Aufgabe, die Majorität durch eine Minorität zu führen und die rechtliche Gleichheit in einer Homogenität zu begründen. Repräsentation wird zur bloßen Interessenvertretung, wenn Bildung und Besitz nicht mehr zusammenfallen, Elite und Masse nicht in einer Organisation sich finden und die rechtliche Gleichheit nur über die ökonomische Ungleichheit hinwegtäuscht. Während in kleinen Bauerndemokratien und Kolonistenstaaten das allgemeine Stimmrecht nur für einen Kreis gleicher religiöser Gesinnung und wirtschaftlicher Lage gilt, muß in den modernen Großstaaten ein Teil der Bevölkerung ausgeschlossen sein, und so sind, wie in der Antike die Sklaven, im englischen Empire die Eingeborenen, in der französischen Revolution die Adeligen, in Mitteleuropa die Kommunisten, in Rußland die Bourgeois nicht einbegriffen in die „Nation" als Ausdruck des Staatsvolkes, der homogenen Grundlage der Demokratie. Totalstaat ist nur eine neue Auffassung von Demokratie, von entliberalisierter Demokratie. Die Auseinandersetzung von Staat und Gesellschaft wird zur Gleichsetzung, indem die Massen und Massenparteien eine totale Politisierung aller Bereiche vollziehen. Es kommt dabei weniger auf Schule und Kultur, als auf wirtschaftliche Unternehmung und Fürsorge an. Indem für die Kirche, wie überhaupt die geistige Welt weiterhin das Toleranzprinzip des Absolutismus gilt, wird dagegen in einem Etatismus die souveräne Nation auch über die Wirtschaft maßgebend. Seit der nationalen französischen Republik und ihrem Zentralismus der Gesetzgebung und Verwaltung ist demokratisch der plebiszitäre Appell an das Volk in Waffen und die Eintreibung oder Auslieferung der 425

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