Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Der deutsche Jude und der deutsche Staat
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 413 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2895450-2895507-2895514-2902746--06144-2902783- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der deutsche Jude und der deutsche Staat Fundament finden wir uns immer. In anderer Beziehung freilich bilden die deutschen Juden im deutschen Volke eine besondere Gruppe kraft ihrer Religion und besonders kraft des religiösen Gebotes, das die Mischehe verbietet, so daß nach dem Gesetze des Judentums Juden im wesentlichen nur untereinander heiraten. Gegenüber diesem fehlenden connubium treten alle anderen Ursachen unserer Sonderart, insbesondere auch die aus der eigentümlichen Natur unserer Geschichte und unserer Schicksale fließenden, in den Hintergrund. Die deutschen Juden bewahren also im deutschen Volke ihre besondere Art. Nur dann aber ist ein Mensch ganz, innerlich stark und eine Stütze auch für andere, wenn er seine Kraft aus den tiefsten Quellen seines Selbst schöpft und in den Tagen der Krisis zu seinen Vätern seine Zuflucht nehmen kann. Auch der deutsche Jude kann wahrhaft Deutscher sein, wenn er wahrhaft, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele Jude ist. Diese Überzeugung ist unser religiöser Glaube, sie und nur sie schafft die echte Harmonie zwischen Deutschtum und Judentum im deutschen Juden. Jeder Jude kann sie belegen mit den eindringlichsten Tatsachen seiner äußeren und seiner imieren Erfahrung. Über diese tiefe Wahrheit sollen nicht viel Worte gemacht werden. Denn sie gehört zu jenen, von denen man am besten schweigt und die an Kraft verlieren, je mehr man davon redet. Um so nachdrücklicher soll es ausgesprochen werden, daß der Jude seine jüdische Art nur unter Vernichtung seines Wesens und seines Wertes unterdrücken kann. Man muß sein tiefstes Selbst entweder bekennen oder verdrängen. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht. Wer es aber unterdrückt, steht als traurige Gestalt neben dem Juden wie neben dem Nichtjuden. Jene bekennen sich zu ihren Vätern. Sie sprechen immer aus, wie es ihnen im tiefsten ums Herz ist, und es spricht dann aus ihnen die Natur selbst. Er aber muß verheimlichen, er verkrampft sich innerlich und liegt in ewigem Kampf mit sich selber. In kritischen Stunden, in denen er Halt geben sollte, muß er versagen. Die Verdrängung seines jüdischen Anteils macht ihn auch für den Staat untauglich. Zeugnis für die verheerenden Folgen der Unterdrückung des Judentums im Juden Hefern die Bekenntnisse und Lebenserinnerungen von Juden, die diesen schweren Weg gegangen sind. Sie sind gewaltige Argumente gegen Alle, die vom Juden die Aufgabe seiner Art verlangen. Ihre Forderung ist unsittlich. Wenn einer aber selbst den äußersten Schritt tut und die Taufe empfängt, scheidet er damit in Wahrheit keineswegs aus dem Judentum aus. Ein Aka- 413