Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Der deutsche Jude und der deutsche Staat
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 406 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Eschelbacher Männern erwarten können?" (Vgl. Ismar Freund, Die Emanzipation der Juden in Preußen, Bd. II, Urkunden, S. 2o8ff.). Wir brauchen gegen das Seelengift, das im Kampfe gegen uns eine Hauptwaffe ist, innere Stärkung und Aufrichtung. Ohne sie könnten wir uns weder als Juden noch als Menschen noch im Staate behaupten. Unser Bürgerrecht im deutschen Reiche ist bedroht. Die werdende Theologie des Nationalsozialismus fordert unsere Entrechtung. Wir verweisen auf ihre Dogmatiker, auf Hans Blüher, auf Wilhelm Stapel. Ihre Theorien und Lehren sind zu einer akuten politischen Gefahr geworden im Programm der NSDAP. „Staatsbürger kann nur der Volksgenosse sein. Kein Jude kann Volksgenosse sein". Die Verwirklichung dieser Forderung würde uns aus Staatsbürgern in Fremde zurückverwandeln, vielleicht in privilegierte Fremde, die nicht ausgewiesen werden können, vielleicht in Schutzjuden. Dieser Zustand wäre weder tatsächlich noch seelisch zu ertragen. Leidenschaftlich haben wir uns dagegen zu wehren um unseres persönlichen und vor allem um unseres seelischen Heiles willen. Wir verkünden demgegenüber unseren Anspruch auf ein volles Bürgerrecht in Deutschland. Wir erweisen es zunächst allgemein aus unserer jüdischen Geschichte und behaupten es dann im Besonderen gegenüber dem deutschen Staate, dem wir angehören und aus dem wir uns nicht herausreißen lassen. Was vom Standpunkte der Halachah, des Religionsgesetzes, zu dem gewaltigen Thema zu sagen ist, habe ich in dieser Zeitschrift in einem Aufsatz „Staat, Recht und Judentum" ausgeführt (Februar 1928). Ohne Rücksicht auf die Halachah soll nun in der gegenwärtigen Situation die Geschichte des Judentums als Erweis der staatlichen, der politischen Kraft des Juden in flüchtigen Umrissen dargestellt werden. IL Die israelitische und nachher die jüdische Geschichte gründet sich von vornherein nicht auf den Einzelnen, sondern auf die Familie. „Kinder Israel" war immer die Bezeichnung des Ganzen und jedes Einzelnen. Die wechselseitige Verpflichtung der Familienglieder ist von Anfang an der Motor dieser Geschichte gewesen. Noch heute gibt in den neuen jüdischen Siedelungen in Palästina die Aussicht, ihre Eltern zu sich nehmen zu können, den Siedlern die Kraft zu übermenschlichen Anstrengungen. Damit ist für den ganzen Verlauf der jüdischen Geschichte mindestens ein entscheidender Punkt erwiesen. Der Jude ist kein 406