Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Der deutsche Jude und der deutsche Staat
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 405 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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Max Eschelbacher: Der deutsche Jude und der deutsche Staat sie in ihren eigenen Augen gering und verächtlich machen. Das ausgeprägte Beispiel von solchem Kulturbolschewismus war schon lange, ehe dieses Schlagwort gemünzt war, der beispiellose, in seiner Gemeinheit unvergleichliche Kampf gegen die Heiligtümer und gegen den seelischen Besitz des Judentums, die Herabwürdigung unserer Bibel, die Beschimpfung des Talmud, die Verleumdung des Juden und des jüdischen Wesens. Dieser schamlose Angriff auf unsere Seele und auf alles, was uns heilig ist, bedroht uns mit schweren Gefahren. Sie sind Vielen in unserer Mitte noch nicht bewußt geworden, obgleich sie unsere gesamte Existenz im tiefsten erschüttern. Zwar spürt Jeder, wie zweifelhaft unsere bürgerliche Stellung im Augenblicke geworden ist. Nicht jeder aber merkt, wie schwer, oft untragbar, diese Angriffe uns seelisch belasten. Es nehmen sich heute viele Juden das Leben. Wer später in die Vorgeschichte dieser Katastrophen Einblick nehmen kann, weiß es, daß nicht nur wirtschaftliche Not den verzweifelten Menschen zu Revolver, Gasschlauch oder Veronal gebracht hat. Vielmehr hat mancher ein Ende gemacht, weil sein jüdisches Selbstgefühl vernichtet war, und weil er die Verachtung nicht mehr ertragen konnte, die die Umwelt ihm auf Schritt und Tritt bekundete. Verachtung steckt an und kann einen guten Menschen schlecht machen. Das haben die Staatsmänner wohl gewußt, die vor einhundertfünfundzwanzig Jahren unsere Emanzipation ins Werk gesetzt haben. „Der Jude hat ein orientalisches feuriges Blut und eine lebhafte Imagination. Alles Anzeichen einer männlichen Kraft, wenn sie benutzt und in Tätigkeit umgesetzt wird. Er ist in der älteren und auch in der mittleren Zeit sehr tapfer gewesen, und man hat selbst in ganz neuerer Zeit, sowohl im amerikanischen als französischen Revolutionskriege auffallende Beyspiele von Juden gehabt, welche sich ausgezeichnet haben" sagt der preußische Staatsminister von Schrötter in der Immediatvorlage an Friedrich Wilhelm III., mit der er am 20. November 1808 die Emanzipation der Juden in Fluß brachte. Er fährt fort: „Die Feigheit der Juden entspringt, meiner Ansicht nach, aus der Sklaverey, in der sie gehalten, und aus der Verachtung, mit der sie von allen Nationen behandelt werden. Die Opinion der Nationen hat ihnen, wie dem weiblichen Geschlecht, die Fruchtsamkeit als ein Attribut ihrer Natur angedichtet, und sie haben am Ende selber daran glauben müssen." Gegenüber der „Opinion der Nationen" findet er aber die Wahrheit, die er als Gesetzgeber verwirklicht hat: „Haben Weiber in heroische Lage versetzt selbst die Opinion zu bekämpfen gewußt, wieviel mehr sollte man es unter gleichen Umständen nicht auch von jüdischen 405