Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Der deutsche Jude und der deutsche Staat
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 404 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der deutsche Jude und der deutsche Staat Von Max Esdielbacber I. In Überfällen, Slraßenkämpfen, Bombenattentaten explodiert taglich die unerträgliche Spannung des politischen Lebens in Deutschland. Über ihrem Lärm wird leicht der stillere aber nicht weniger erbitterte geistige Kampf überhört, der zur gleichen Zeit um die Fundamente unseres jetzigen und künftigen politischen Lebens ausgefochten wird. Wir Juden sind mitten in diesen Strudel hineingerissen. Unsere jüdische, persönliche, wirtschaftliche, bürgerliche Selbsterhaltung verlangt es, daß wir darin aushalten, daß wir uns unserer Haut wehren und uns nicht in den stillen Bereich unseres persönlichen Lebens flüchten. Ein aktives Judentum fordert heute auch den Kampf um unsere politische Existenz. Lebensfrage ist für uns die wahrhaftige Auseinandersetzung mit dem Problem unserer Stellung im deutschen Staat geworden. Das ungeheuere geistige Ringen um die Gestaltung des neuen Deutschland wird von der Rechten als ein Kreuzzug gegen den Kulturbolschewismus geführt. Niemand weiß, was dieses jüngste politische Schlagwort eigentlich besagt Aber auf Grund unserer Leiden, nicht auf Grund unseres Tuns können vielleicht wir Juden ahnen, was damit gemeint sein soll. Bolschewismus, wie er hier verstanden wird, ist eine Form der Zerstörung, die sich gegen die geistigen Güter einer Menschengruppe richtet. Einem Dynamitanschlag fällt ein Haus, einem Mord ein Mensch zum Opfer. Der Kulturbolschewismus aber macht die Heiligtümer einer Gesamtheit gemein. Er hat sich den Stolz, das Selbstbewußtsein, die seelische Ruhe von Menschen und den Ausdruck, den diese inneren Güter in der Kultur gefunden haben, zum Ziel der Vernichtung gesetzt. Er entwürdigt, was ihnen heilig ist, er beschmutzt, worauf sie stolz sind, er will 404