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Der Morgen · 1932-12-01 · Heft 5 (Dezember 1932) · p. 382

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 5 (Dezember 1932)
Article
Die Brennpunkte der jüdischen Seele
Date
1932-12-01
Page
382 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Maxtin Buber tischen Messianismus zum Triumph über die Apokalyptik verhalfen, retteten sie das Judentum. Noch ein wichtiges Merkmal aber scheidet die beiden Gestaltungen jüdischen Endzeitglaubens. Die Apokalyptik er wollen ein unabänderlich feststehendes künftiges Ereignis voraussagen; auch damit wurzeln sie in iranischen Vorstellungen, die die Geschichte in gleichmäßige Jahrtausendzyklen einteilten und das Weltende, den Endsieg des Guten über das Böse, zahlengenau vorbestimmten. Anders die Propheten Israels: sie weissagen „auf die Umkehrenden hin", d. h. sie sagen nicht etwas an, was auf jeden Fall geschehen werde, sondern etwas, was geschehen werde, wenn die zur Umkehr Aufgerufenen nicht umkehren. Geradezu paradigmatisch berichtet das Buch Jona, was Prophetie ist. Nachdem er umsonst versucht hat, dem Auftrag Gottes zu entfliehen, wird Jona von ihm mit der Prophezeiung des Untergangs nach Ninive geschickt. Aber Ninive kehrt um — und Gott wendet das Verhängnis. Jona verdrießt es, daß das Wort, um dessen willen der Herr seinen Widerstand gebrochen hatte, nun zunichte gemacht worden ist; wird man gezwungen zu prophezeien, so müßte es dabei bleiben; aber Gott meint es anders, er will keine Wahrsager beschäftigen, sondern Boten an Menschenseelen, — an Menschenseelen, die zu entscheiden vermögen, welchen Weg sie beschreiten, und durch deren Entscheidung mitentschieden werden darf, was mit der Welt geschehen soll. Der Umkehrende wirkt mit an der Erlösung der Welt. Das Partnertum des Menschen in dem großen Zwiegespräch hat hier seine höchste Realität. Es ist nicht so, als ob eine bestimmte Tat des Menschen die Gnade herniederziehen könnte; und doch erwidert die Gnade der Tat, in unvorhersehbarem Walten, unerreichlich und doch sich nicht versagend. Es ist nicht so, als ob der Mensch dies oder jenes zu tun hätte, um die Erlösung der Welt zu „beschleunigen", — „wer glaubt, wird nicht beschleunigen wollen" (Jesaja 28, 16); und doch wirkt der Umkehrende an der Erlösung der Welt mit. Diese der Kreatur zugewiesene Teilnahme steht im Geheimnis. „Heißt das, Gott könne seine Welt nicht ohne ihre Mitwirkung erlösen? Es heißt, daß Gott eben das nicht können will. Braucht Gott den Menschen zu seinem Werk? Er will ihn brauchen." Wer hier von Aktivismus spricht, mißkennt das Geheimnis. Die Tat ist keine äußere Gebärde. „Der Schofar", sagt ein haggadisches Wort, „auf dem Gott an jenem Tag blasen wird, wird aus dem rechten Horn des Widders sein, 382

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