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Der Morgen · 1932-12-01 · Heft 5 (Dezember 1932) · p. 381

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 5 (Dezember 1932)
Article
Die Brennpunkte der jüdischen Seele
Date
1932-12-01
Page
381 (sequence 7)
Language
German
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Die Bronnpunkte der jüdischen Seele in einer unerlöst verbliebenen Welt die menschliche Seele oder gar nur die Seele des in einer bestimmten Bedeutung gläubigen Menschen erlöst worden wäre. Mit einer Kraft, die Urgnade in ihn getan und keins der Gerichte ihm entzogen hat, wehrt sich der Jude gegen die radikale Scheidung von Seele und Welt, die dieser Vorstellung zugrunde liegt; er wehrt sich gegen das Bild einer göttlichen Zerspaltung des Daseins; er wehrt sich am leidenschaftlichsten gegen den furchtbaren Begriff einer massa perditionis. Der Gott, an den er glaubt, hat das All nicht dazu erschaffen, um es in eine selige und eine verdammte Hälfte auseinanderbrechen zu lassen; wohl ist seine Ewigkeit vom Menschen nicht zu fassen, aber es kann — so wissen wir Juden bis in unsre Sterbestunde — keine Ewigkeit sein, in der nicht alles in seine Versöhnung aufgenommen wäre, wenn er die Zeit in die Ewigkeit zurückgenommen hat. Gibt es aber ein Stadium der Welterlösung, in dem sie sich erst an einem Teil der Welt erfüllt, so leiten wir aus unserem Glauben keinen Anspruch auf Erlöstwerden ab, geschweige denn aus sonst einem Bestand. „Und willst du Israel noch nicht erlösen, so erlöse doch die Gojim allein!" pflegte derKosnitzer Rabbi zu beten. Man könnte mir entgegenhalten, daß es doch im Judentum eine andere Eschatologie gegeben habe als die von mir gekennzeichnete, neben der prophetischen die apokalyptische. Es ist in der Tat wichtig, sich den Unterschied beider zu vergegenwärtigen. Der prophetische Endzeitglaube ist in allem wesentlichen autochthon, der apokalyptische ist in allem wesentlichen aus Elementen des iranischen Dualismus aufgebaut. Demgemäß verheißt jener eine Vollendung der Schöpfung, dieser ihre Aufhebung, ihre Ablösung durch eine andere, schlechthin andersartige Welt; jener läßt die jetzt richtungslosen Mächte, das „Böse", die Richtung auf Gott finden und sich ins Gute einwandeln, dieser sieht am Ende der Tage Gut und Böse endgültig getrennt, das eine erlöst, das andre auf ewig unerlösbar; jener glaubt an die Heiligung der Erde, dieser verzweifelt an der hoffnungslos verderbten; jener läßt den schöpferischen Urwillen Gottes sich ohne Rest erfüllen, dieser das ungetreue Geschöpf über den Schöpfer mächtig sein, indem es ihn zwingt, die Natur preiszugeben. Es hat eine Zeit gegeben, in der es unsicher erscheinen mußte, ob die aktuelle Apokalyptik nicht dem überlieferten prophetischen Messianismus obsiegen würde; es ist zu vermuten, daß, wäre dies geschehen, das Judentum seinen zentralen Glauben nicht überlebt hätte — es wäre ausgesprochenerweise oder unmerklich in dem von jenem Dualismus so stark beeinflußten Christentum aufgegangen. Indem die Tannaiten in einer Epoche ohne Prophetie dem prophe- 38t

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