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Der Morgen · 1932-12-01 · Heft 5 (Dezember 1932) · p. 329

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 5 (Dezember 1932)
Article
Spinozas Stellung in der allgemeinen Geistesgeschichte
Date
1932-12-01
Page
329 (sequence 5)
Language
German
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Spinozas Stellung in der allgemeinen Geistesgeschicht' keinerlei Schranken unterliegt, daß dieser Umfang vielmehr mit dem Umfang des Seins schlechthin zusammenfällt. Alle Trennungen, die man innerhalb dieses Begriffs vorzunehmen versucht, alle Absonderungen, durch die man einen Teil der Wirklichkeit aus dem Kreise der Natur herauszurücken und über ihn emporzuheben sucht, sind nach Spinoza willkürliche Fiktionen, mit denen ein für alle Mal gebrochen werden muß. Wer sich nicht an konventionelle und willkürliche Unterscheidungen klammert, wer die Wirklichkeit nicht unter engen, menschlich-eingeschränkten Gesichtspunkten betrachtet, der findet überall nur die Eine, sich selbst gleiche und in sich durchaus-gleichförmige Natur. Diese Gleichförmigkeit des Seins ist die Voraussetzung für seine philosophische Erkenntnis: denn nur von dem was im strengen Sinne „ist", nicht vom Werdenden, Veränderlichen, von dem, was in jedem Moment anders erscheint, ist eine solche Erkenntnis möglich. In dieser Grundvoraussetzung bleibt Spinoza Platoniker; aber die Folgerung, die er aus ihr zieht, ist derjenigen Piatons diametral entgegengesetzt. Denn für ihn liegt im Einheitsbegriff des philosophischen Wissens die Konsequenz beschlossen, daß auch das Sein der Welt nur scheinbar in sich gespalten ist: daß es keine radikale Trennung zwischen „Sinnenwelt" und „Verstandeswelt" geben kann. Der Unterschied zwischen beiden betrifft unsere Auffassung des Seins, nicht dieses selbst in seiner eigentlichen Wahrheit und Wesenheit. Diese Wahrheit kennt und duldet keine Spaltung in „Materie" und „Form", in „Natur" und „Geist". Denn die Ordnung der Dinge ist die gleiche wie die Ordnung der Ideen („ordo et connexio rerum idem est atque ordo et connexio idearum"). Es ist eine haltlose Philosophie, die den Geist als Etwas außer und über der Natur Stehendes betrachtet; denn jedes Außer- und Über-Natürliche wäre zugleich ein Wider-Natürliches und damit ein Wider-Vernünftiges. Das sogenannte „geistige" Universum darf nicht länger dem körperlichen entgegengesetzt, darf nicht als ein „Staat im Staate" behandelt werden. Die Struktur beider ist identisch; denn beide unterliegen den gleichen ausnahmslosen und unverbrüchlichen Gesetzen. Auf solchen Gesetzen ist aller Zusammenhang der Wirklichkeit aufgebaut; und dieser Zusammenhang bleibt stets sich selbst gleich, gleichviel an welchen besonderen Erscheinungen er sich uns darstellt und kundgibt. Die Grundformel des Systems, die Gleichung „Gott oder Natur" (Deus sive Natura) ist damit gegeben; denn auch der Gottesbegriff hat im System Spinozas einen charakteristischen Bedeutungswandel erfahren. Die Absolutheit des gött- 329

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