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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 300

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Ernset Bloch
Date
1932-10-01
Page
300 (sequence 3)
Language
German
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Herbert Klein Ich hatte dann Gelegenheit, Bloch beim Musikunterricht zu beobachten. Es war eine Stunde in Klavierinterpretation. Mit scharfem, aber nicht unfreundlichem Sarkasmus und großer theatralischer Begabung veranschaulichte er seine Kritiken. Sie zeigten deutlich, worauf es ihm immer ankommt: Nicht nur zu lehren, sondern zu eigenem Erfinden und Erleben anzuregen. Bloch ist sicherlich ein guter Pädagoge. Er ist kein Systematiker, obwohl er sich mit Metaphysik lange und hingebungsvoll beschäftigt hat; seine Formungskraft und sein pädagogisches Gefühl sind ursprünglich und tief verwurzelt. Um so niedergedrückter war er von vielen Erfahrungen, die er in Amerika als Musikpädagoge machen mußte. Entscheidend für ihn ist sein Leitsatz: Das Leben ist größer als irgend ein System. Aus der Zeit meiner ersten Bekanntschaft mit Bloch stammt ein Erlebnis, das ein treffendes Bild auch von seiner Verständnisbereitschaft und Großzügigkeit gibt. Ich hatte in einer amerikanischen Zeitschrift einen Artikel über ihn veröffentlicht unter dem Titel „Bildnis eines Künstlers als nicht-mehrjunger Mann". Ich schrieb, daß viele verschiedene Ernest Blochs in einem menschlichen Körper zusammenwohnen und dort nicht immer in Harmonie und Frieden auskommen. Ich nannte ihn Gargoyle (Wasserspeier), Possenreißer und Spaßmacher. Ich versuchte anzudeuten, daß man bei der Beschreibung vom Wesen dieses Mannes bald in Bezirke kommt, wo man merkt: hier hört das Definierbare auf und die Vorstellung beginnt____ Ich hatte Bloch nicht lächerlich machen wollen. Meine Absicht war nur zu beschreiben, welche Gefühle die persönliche Berührung mit diesem Menschen auslöst. Lange hörte ich nichts von Bloch und fürchtete schon, ihn wirklich beleidigt zu haben. Wochen vergingen, dann bekam ich ganz indirekt Nachricht, Bloch habe den Artikel vorgelegt bekommen, ihn gelesen, ein Dutzend Exemplare der Zeitschrift bestellt. Dann kam, mehr als überraschend, ein Brief an mich: „Wäre ich nicht sehr krank und sehr beschäftigt gewesen, so hätte ich Ihnen früher geschrieben, um Ihnen zu sagen, daß ich viel Freude hatte, als ich Ihre Skizze las____Sie müßten einer Aufführung aller meiner Werke beiwohnen, wenn Sie in San Francisco zustande zu bringen wäre. Sie könnten dann leicht Vergleiche anstellen zwischen den verschiedenen Personen, die Sie in mir gesehen haben und könnten feststellen, daß es dem Verwalter, allen Schwierigkeiten zum Trotz gelungen ist, wenigstens im künstlerischen Sinne unter so vielen Bewohnern des Hauses Frieden zu halten." 300

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