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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 299

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Ernset Bloch
Date
1932-10-01
Page
299 (sequence 2)
Language
German
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Herbert Klein: Ernest Bloch lischen Standpunkt aus betrachtet, bildet er eine Kategorie für sich, obgleich er deutlich an die große Tradition anknüpft. Um die Vielfalt seines Schaffens zu zeigen, seien nur einige seiner bedeutendsten Werke genannt: Die Psalmen (1912); Israelitische Symphonie mit Gesangsolo (1912—1916); Drei hebräische Gedichte (1913); Schelomoh, für Orchester und Solo Cello (1915); Streichquartett (1916); Baal Schern, drei Bilder aus dem chassistischen Leben (1923); IQavierquintett (1916); Drei Nocturnes (1924); Goncerto grosso, für Streichorchester und Klavier (1924 bis 1925); Amerika, epische Rhapsodie für Orchester (1926); Helvetia, das Land der Berge und seine Bevölkerung (1929). 1910 fand in Paris in der Opera Comique die Uraufführung seiner Oper „Macbeth" (Text von Edmond Fleg, Blochs Freund) statt. Im März 1917 wurde Bloch von Muck, damals Direktor der symphonischen Konzerte in Boston, aufgefordert, seine „Drei jüdischen Gedichte" zur Aufführung zu bringen. Zum erstenmal lernte Amerika Blochs Werk kennen und seine Bedeutung ahnen. Im Mai desselben Jahres widmeten die „Freunde der Musik in New York" ausschließlich Blochs Werken ein Konzert: Uraufführung von „Schelomoh", den Psalmen (22, 137, i44) und „Israel". 1917 ließ sich Bloch in Amerika nieder, war drei Jahre in New York, gründete 1920 das Konservatorium für Musik in Cleveland, Ohio. Er wurde amerikanischer Staatsbürger und war von 1925 bis 1930 Direktor des Konservatoriums in San Franzisko. Kurz bevor er Amerika mit einem zeitweiligen Stipendium verließ, wurde seinem Werk „Amerika" ein Preis von 3ooo Dollar zuerkannt, weil es die beste symphonische Dichtung „von typisch amerikanischer Prägung" war. Gleichzeitig erhielt er einen Preis für sein Werk „Helvetia". Als Student an der Universität Stanford lernte ich Bloch kennen. Der schwarze Vollbart, den er damals trug, machte seine Persönlichkeit besonders imponierend. Seine etwas gedrungene Gestalt sah massiv und widerstandfähig aus. Seine großen, ausdrucksvollen Augen leuchteten. Und mit der ihm eigenen unermüdlichen Beredsamkeit — mit etwas herber, durchdringender Stimme — imitierte, verhöhnte, beklagte er fast alles: Zivilisation, Verhältnisse und Ideale des Maschinenzeitalters, Philistertum, Engherzigkeit des Menschengeschlechts. Er ist ein glänzender Mimiker. Er predigte und ermahnte; er zitierte und berief sich nicht nur auf Walt Whitman, sondern auch auf seine Freunde Romain Rolland, der als erster seine Bedeutung erkannt hatte, und auf Havelock Ellis. 299

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