Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1932)
- Article
- Ernset Bloch
- Date
- 1932-10-01
- Page
- 298 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernest Bloch Mensdi und Musiker Von Herbert Klein Es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, daß gerade hier — wenige Seiten nach einer Abhandlung über Staatenlosigkeit — von Ernest Bloch gesprochen wird. Er ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, später amerikanischer Staatsbürger geworden- In den Vereinigten Staaten wird er als europäischer Komponist von denen, die für bodenständige Kunst schwärmen und sie pflegen, willkürlich außer acht gelassen. In der Schweiz wird er — wie er selbst sagt und beklagt — allzu oft lediglich als Amerikaner angesehen. Dabei hat er in seiner Musik etwas Internationales oder besser Übernationales geschaffen, obwohl ein wesentlicher Teil seiner Kompositionen sowohl dem Titel nach wie im Thema jüdisch sind. Es ist kein Zufall, wenn nichtjüdische Kritiker oder Bewunderer Blochs bedauern, daß er sich jemals mit anderen als jüdischen Themen befaßt hat. Auch diese anderen Werke sind, sagen sie, menschlich wertvoll und künstlerisch beachtenswert, aber es ist nicht der echte Bloch, wie wir ihn kennen gelernt haben und weiter kennen lernen möchten. Bloch lehnt eine derartige äußerliche Festlegung ab. Seiner Adoptivheimat Amerika bietet er eine epische Rhapsodie mit Schlußchor über einen hundertprozentig patriotischen Text des von ihm hochverehrten Walt Whitman „Amerika" an, und seinem Vaterlande widmete er das vielleicht noch bodenständigere Werk „Helvetia". Seiner Kammermusik, einschließlich dem großartigen neuklassizistischen „Concerto grosso", kann man keine jüdische Eigenart zuschreiben. Bloch ist in keiner Kategorie unterzubringen. Weder als Jude, noch als Amerikaner, noch als Schweizer, noch als bewußter Eklektiker. Vom musi- 298