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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 278

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Gibt es jüdische Geheimgesetze?
Date
1932-10-01
Page
278 (sequence 4)
Language
German
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Max Eschelbacher Freiburg 1912, S. 72.) Unsere Lehre soll der Menschheit bekannt werden. Wir müssen uns nur dagegen wehren, daß sie in entstellter Form vermittelt wird. IL Auch die jüdische Vergangenheit kennt esoterische Lehren für den engeren Kreis der Geweihten, deren Seele dafür empfänglich war. Zu ihnen gehören die eigentlichen religiösen Spekulationen über Gott und Welt. (Vgl. dazu Maimonides, More Nebuchim I, 33, 34-) Das alte Judentum hat sie in der Gestalt von Bibeldeutungen ausgesprochen, in der Form, in der es so viele Erkenntnisse niedergelegt hat. Zwei Fragen haben die Geister vor allem beschäftigt: Was ist das Wesen Gottes? Wie hat er die Welt geschaffen, und wie wirkt er weiter auf sie in seiner ewigen Schöpfung? Bei der Frage nach dem Wesen Gottes endet der menschliche Geist in Resignation. Mose bittet: „Laß mich doch Deine Herrlichkeit schauen!" Aber Gott antwortet: „Mich schaut kein Mensch und bleibt leben". Einigen war aber doch ein tieferer Blick in Wesen und Walten Gottes verstattet: Sie heißen Propheten. Sie haben Gott im Traum und in der Vision geschaut, der eine Mose aber in der Klarheit, „von Angesicht zu Angesicht". (V. B. M. 34, 10; IV. B. M. 12,6.) Das jüdische Denken setzte an den Kapiteln ein, in denen die Propheten die Schau, die ihnen geworden war, verkünden. Die Vision der Visionen, das Bild vom Thronwagen Gottes, steht im ersten Kapitel des Propheten Ezechiel. Thronwagen heißt hebräisch „Merkabah", und danach heißen diese Spekulationen „Maasse Merkabah". Das zweite Problem, das Rätsel der Kosmogonie, wurde im Anschluß an den Anfang der Genesis entwickelt, der da lautet: „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde". Auch diese Fragen von Weltanfang, Weltende und ewiger Schöpfung blieben jenen vorbehalten, die dafür reif waren. Ihre Erörterung heißt Maasse Bereschith. Auch sie sind kein Geheimnis, das dem Auge der Welt entzogen werden müßte, wohl aber eine verborgene Weisheit. Von ihr gilt Goethes Wort: „Sagt es Niemand, nur dem Weisen, weil die Menge gleich verhöhnet". Als Maasse Merkabah und Maasse Bereschith sind diese esoterischen Lehren früh, etwa in der letzten Zeit des Tempels, einem engeren Kreise verkündet worden. Die Probleme sind geblieben, aber im Laufe der Jahrtausende haben sie ihr Gewand geändert. Die Wissenschaft von ihnen heißt später Kabbalah, das heißt Überlieferung. 278

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