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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 273

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Der erste Weltbürger
Date
1932-10-01
Page
273 (sequence 5)
Language
German
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Der erste Weltbürger Perser den Griechen an Tapferkeit und Stärke nicht nachstanden, wohl aber waren sie darin unterlegen, daß sie ohne Rüstung gegen gerüstete Männer kämpften, auch waren sie ihnen an Geschick und Taktik nicht gewachsen (IX. 62 ff., vgl. auch VI. 112). So bleibt wenig Grund zu nationalem Selbstlob. Gott war es vielmehr, der die Perser niederwarf, um ihren Stolz zu demütigen (VIII. i3, 109). Hier liegt die Grundidee des ganzen Geschichtswerkes, die Vorstellung vom Neid der Götter, die sich bei Herodot so oft findet und einen düsteren Zug in seine Lebensauffassung bringt. Unser Gefühl begreift, wenn es heißt, daß die Götter Frevel strafen, daß insbesondere übertriebene Rachgier ihnen verhaßt sei (IV. 205). Jedes große Glück ist ferner eine Gefahr, denn es besteht ein Kreislauf in den menschlichen Dingen, die Großen werden klein und die Kleinen groß (I. 207). Offenbar verführt ja Macht und Reichtum zu Stolz und Übermut und ruft die Vergeltung wach. „Siehst du", warnt ein Perserfürst den Xerxes, „wie Gottes Donner immer die erhabensten Geschöpfe trifft und nicht duldet, daß sie sich übermütig erheben? Siehst du, wie sein Blitz immer in die größten Gebäude und in die höchsten Bäume schlägt? Denn Gott pflegt alles zu zertrümmern, das sich erhebt." — Aber Herodot ist doch ein zu redlicher Denker, um zu glauben, daß Glück und Unglück in der Geschichte stets nach eigenem Verdienst ausgeteilt werden. Gerade fromme und gerechte Fürsten wie Kroisos und Mykerinos wurden vom Unglück verfolgt, während es schlechten Herrschern gut ging. Die Vorstellung einer Vergeltung im Jenseits fehlte Herodot. Er glaubte an eine Erbschuld. Kroisos büßte für die Missetaten eines Ahnen im fünften Glied (I. 91) und der Ägypterkönig Mykerinos wurde von den Göttern gerade deswegen gestraft, weil er gottesfürchtig und milde regierte; denn das Schicksal wollte es, daß Ägypten i5o Jahre unglücklich sei, und dagegen hatte er sich vergangen (II. 122). Neben diesen fatalistischen Erklärungen findet sich aber auch die aus der niedrigen Gottesvorstellung der Hellenen stammende, daß Gott einfach neidisch und mißgünstig sei und es nicht vertragen könne, wenn jemand sich glücklich und groß dünke (I. 34, III. 4o, VII. 10). Die Jämmerlichkeit des menschlichen Daseins wurde von den großen Geistern der Griechen besonders stark empfunden und der Gedanke, der Tod sei eine Erlösung vom Leben, ist auch Herodot nicht fremd (VII. 46). Diese tragische Empfindung widerstrebt der eitlen Ruhmsucht. Selbst Xerxes weint, als er sein ungeheures Heer an sich vorüberziehen sieht, denn der 18 273

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