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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 274

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Der erste Weltbürger
Date
1932-10-01
Page
274 (sequence 6)
Language
German
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Friedrich Hertz: Der erste Weltbürger Gedanke kommt ihm, wie nach 100 Jahren keiner mehr von allen diesen Menschen am Leben sein werde. Ist nicht das blinde Jagen nach Macht und Ehre ein törichtes Spiel? Herodot haßt den Krieg. „Wer ist wohl so unverständig, daß er den Krieg statt des Friedens wählte! Im Frieden werden die Väter von ihren Kindern begraben, im Krieg aber die Kinder von ihren Vätern" (I. 87). Zum Unglück der Menschen ist das Eisen entdeckt worden (I. 68). Stets mahnt Herodot zur Versöhnlichkeit: „Die Rachsucht ist ein verkehrtes Gut; heile nicht Übel mit Übel" (III. 53). Am Eingang des Geschichtswerkes erhebt sich die Frage, warum denn dieses gewaltige Ringen zwischen Asien und Europa, das Herodot als Bruderkampf empfinden mußte, ausgebrochen sei. Aus mythischen Elementen, den Fabeln von gegenseitigen Weiberentführungen (Jo, Europa, Helena), aus der Trojasage hatte sich das Gefühl der Erbfeindschaft gebildet. Dann kamen Eroberungsgier, Furcht vor Übermächtigwerden von Nachbarn, Feldherrnehrgeiz dazu. Voll dramatischer Spannung ist die Schilderung des Kampfes um Krieg Frieden unter den Ratgebern des Xerxes (VII. 5 ff.). Den feurigen, jungen Großkönig läßt der Ruhm seiner Vorfahren nicht ruhen. Sein Expansionsdrang wird von dem kriegerischen Mardonios angestachelt, von dem erfahrenen Artebanos bekämpft. Die meisten Edlen sind gegen den Krieg, aber sie schweigen — das Erbübel der verständig und friedlich Gesinnten! Die Demokratie wieder läßt sich oft durch Gefühlsmomente noch leichter zum Kriege bewegen als die Könige (V. 97). Der an Verrücktheit grenzende Machtwahn des Großkönigs, die Verblendung, die den Machtstolzen in sein Verderben reißt, reden in Herodots Schilderung heute noch so eindringlich wie vor zweieinhalbtausend Jahren. Begreiflicherweise pries die Menge Herodot vor allem, weil er die Siege der Hellenen so herrlich besungen habe.1) Aber den Patrioten war er noch lange nicht national genug; in der wohl fälschlich Plutarch zugeschriebenen Schrift „Über die Böswilligkeit Herodots" wird ihm vorgeworfen, er habe einzelne Städte, ja alle Hellenen herabgesetzt, weil er persisch gesinnt gewesen sei, er wird Barbarenfreund genannt und Dio Chrysostomus gibt noch ärgere Verleumdungen wieder. l) Nach Lukians „Herodot oder Aetion." (Wielands Übersetzung Band III. S. 4i3). 274

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