Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 240 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Anzeigen gen. Schingnitz, Drieschs naher Mitarbeiter und Schüler, ist in beiden Bänden vertreten, einmal mit dem Beitrag „Formale Logik im Bildungs- und Erziehungsprozeß' und im Bande der Schüler (Obertitel: Ordnung und Wirklichkeit) mit einer größeren Arbeit über die Grundpositionen in Drieschs Philosophie und ihre Stellung im philosophischen Denken. Daran schließen sich Abhandlungen über Grundtypen der Philosophie, Kausalität, Lehre und Person, metaphysische Probleme und Reflexionen über Gewohnheit aus der Feder von Schülern. Unter den Jüngern Drieschs ist der Drang zu selbständiger Fortentwicklung der Lehre des Meisters deutlich, doch gleiten manche ein wenig ins Literatenhafte ab — darin dem Haupte der Schule, diesem unerbittlich strengen Denker, unähnlich. Oskar Wolfsberg. Watson, J.B.: Psychische Erziehung im frühen Kindesalter. Verlag F. Meiner. Leipzig (o.J.). Diese deutsche Ausgabe des englischen Originals atmet amerikanischen Geist: es ist im Sinne des Behaviorismus geschrieben, in jener unbekümmerten, zuversichtlichen Art, die die Tatmenschen jenseits des Ozeans auszeichnet. Unbekümmert um erzieherische Traditionen, geht es den Weg der Empirie und des Experiments und gelangt dabei sicherlich zu wertvollen Ergebnissen. Hierher gehört alles, was der physischen Erziehung und der Ertüchtigung des Nervensystems und der Psyche im schlichten Sinn angehört. Gut und lehrreich ist alles, was Furcht und Wut betrifft, die Unterstreichung, daß nur laute, nahe Töne und Aufhebung des Gleichgewichts von Geburt an Angst erzeugen. Die Heranziehung der Pawlowschen Lehre von den bedingten Reflexen für die Deutung von Erziehungsfehlern und als Methode einer zweckmäßigen Erziehung (Überwindung von Erziehungsmängeln etc.) ist wertvoll, desgleichen Mitteilungen über Hygiene und Spiel. Bedenken sind dem Abschnitt „Geschlechtliche Aufklärung" entgegenzusetzen, die nach dem Vorschlag des Autors sehr früh in weitgehendem Maße einsetzen soll (auch die väterliche Rolle wünscht er früh zu behandeln). Am meisten aber werden doch viele Bedenken gegen die Grundeinstellung hegen, bei aller Anerkennung des Wertes der durch die Behavioristen geförderten Resultate. Diese geht an allem Substantiellen der Seele und an den Schwierigkeiten der — nicht nur durch Erziehung und Milieu — sondern in der Erbmasse begründeten Verschiedenheit der Individuen vorbei und übersieht damit gerade die schwierigsten Erziehungsfragen und die Grenzen der Erziehung. Gar nicht zu sprechen von der höheren Ebene des menschlichen Lebens, der Sittlichkeit und Religiosität und der Erziehung zu ihnen. Inhalt des letzten Heftes: Wilhelm Michel: Was heißt: Ende des Liberalismus? Mit einem Nachwort von Max Dienemann. — Michael Müller-Claudius: Vom politischen Haß zur politischen Lauterkeit. Ein Vorschlag zum Rechtsschutz der Wahrheit in der öffentlichen Auseinandersetzung. — Joseph Carlebach: Naturwissenschaft und Wunder. — Käte Hamburger: Romantische Politik bei Thomas Mann. — Eva Reichmann-Jungmann: Flucht vor der Vernunft. Kritische Bemerkungen zu neuer Literatur über die Soziologie des Nationalsozialismus. — Hanns Reißner: Mirabeaus Judenpolitik. — Ernst Lissauer: Aus dem Dramatischen Mysterium „Der Weg des Gewaltigen".— Aus den Jugenderinnerungen Steinthals mit einer Vorbemerkung von Leo Baeck. — Ernst Holz er: Der Aufruhr gegen den Geist. — Margot Rieß: Religiöse Frauenlyrik. — Anzeigen. 240