Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Jüdische Familien [Rezension]
Date
1932-08-01
Page
230 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895507-2895511-2902402--05904-2902496
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Bertha Badt-Strauss tung das Werk seiner Reifezeit gewidmet; kaum eines seiner Bücher, in dem nicht die Frage der jüdischen Familie in neuer Beleuchtung auftaucht. Das ist der deutsch-amerikanische Jude Ludwig L e w i s o h n , dessen Bücher künstlerisch vielleicht ungleichwertig sind, aber wichtige menschliche und zeitgeschichtliche Dokumente darstellen. Lewisohn, der als Knabe mit den Eltern nach Amerika auswanderte und vor dem Kriege einer der führenden amerikanischen Journalisten war, verlor sein zweites Vaterland um einer Familientragödie willen. Er hat diese Familientragödie — es handelt sich um die Ehe eines Künstlers mit einer viel älteren Frau aus völlig anderen Kreisen — dann in einem blutig grausamen Buche „Der Fall des Herbert Crump" wiedergegeben (deutsche Übersetzung im Drei Masken- Verlag München). Seitdem taucht das Problem der Familie — nun aber: der jüdischen Familie — in fast jedem seiner Bücher auf. Und zwar ist es meist das Problem der Paarung verschiedenartiger Genossen, das ihn immer wieder anzieht, meistens des Juden mit der nichtjüdischen Frau — einmal aber auch der Jüdin mit dem Christen (im „Roman summer" Harper u. Brothers, New York). Auch in seinem letzten Buche, der merkwürdigen Shakespeare - Weiterführung „Shylocks letzte Tage" (F. List Verlag, Leipzig), schlägt die unselige Ehe der Jessica mit Lorenzo die alten Töne an. Am bekanntesten von seinen Büchern wurde „The Island Within", „Das Erbe im Blut" (F. List Verlag, Leipzig) nannte es die deutsche Übersetzung. Das in Amerika wie hier vielgelesene Buch gibt die Geschichte einer jüdischen Familie, seiner jüdischen Familie, wie die Eingeweihten wissen. Diese Familie geht den typischen Weg. den Generationen von Judenfamilien in Deutschland und in Amerika gegangen sind. Der Ahnherr Reb Mendel ist der Erste, den die Not des Lebens mit der unjüdischen Umwelt in nahe Berührung bringt; gleichsam als Sühnopfer geht Großmutter Braine nach seinem Tode nach Palästina, um dort zu sterben. Ein Teil der Nachkommen wechselt dann im Deutschland der Assimilation Namen und Glauben, nimmt Teil an dem Kriegsschicksal des deutschen Volkes und wird zum Lohn dafür von den Steinwürfen der Judenfeinde nicht verschont. Ein Enkel wandert nach Amerika aus und erlebt dort das typische Schicksal des amerikanischen Juden, der, wie Lewisolm aus seinem eigenen Leben wußte, sich mit allen Kräften der neuen Kultur hingibt — und dann doch von der nicht jüdischen Umwelt zurückgestoßen wird. Der eigentliche Held des Buches, der Nervenarzt Dr. Arthur Levy, hat sich soweit von seinem Ursprung entfernt, daß die Ehe mit der christlichen Amerikanerin ihm nur natürlich erscheint. Aber gerade in dieser engsten Bindung enthüllt sich innerste Fremdheit; und die Enttäuschung dieser Ehe öffnet ihm nun auch die Augen zur Erkenntnis der großen Lüge in seiner jüdisch-amerikanischen Umgebung. Unter allen diesen „Babbitts", die der inneren Lage, dem unheilvollen Minderwertigkeitsgefühl durch sklavische Nachäffung entfliehen wollen, sucht sich der Enttäuschte seinen eigenen Weg zu neuem Leben in der Arbeit für die kämpfende und leidende jüdische Gemeinschaft. Noch steht kein jüdisches Haus am Ziele dieses Weges. Aber in einem andern seiner neueren Bücher, in 230

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.