Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Jüdische Familien [Rezension]
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Familien der Lebensgeschichte des Amerikaners „Stephen Esoott" (Verlag Tauchnitz 1981, noch nicht übersetzt) finden wir das jüdische Haus, das offenbar Lewisohn selbst als Wunschtraum vorschwebt — in der Familie des Lebensfreundes von Stephen Escott, des einzigen Menschen, der bei dem Verfemten ausharrt. Und wie eine Insel des Friedens leuchten die Sabbatlichter mitten im Chaos des amerikanischen Daseinskampfes. Führt der Weg vorwärts oder zurück? — Drei Erscheinungsformen jüdischer Familien zeigen sich (wenn man einmal in großen Zügen zusammenfassen darf) in Leben und Kunst unserer Zeit. Da ist die altpatriarGhaliscbe Familie, wie sie unser aller Vergangenheit und besonders die jüdische Kleinstadt des Ostens kannte; sie ist heute mächtig aufgewühlt und durchpflügt von neuer Welt und andern Lebensbedingungen. Daneben die jüdische Großstadtfamilie der Vorkriegszeit, der die Gemeinschaft nichts, der Einzelne alles war; sie ist heute als jüdische Familie so gut wie verschwunden; hier und da tauchen ihre Sprößlinge unter veränderter Flagge im andern Lager wieder auf. Aber in dieser höchsten Ratlosigkeit scheint das Bild eines dritten Familientypus in der Ferne aufzublitzen: als einer heute noch mehr erträumten als erlebten Synthese zwischen den beiden ersten versunkenen und vergessenen Formen. Das ist die Familie, die sich selbst bewußt als ein Glied in die Kette der Geschlechter wieder einreiht. Mag es heute auch noch Wunschtraum sein: hier vielleicht liegt das eigentliche „Eiland im Innern", im Weltmeere des Geschehens. „Eine deutsche Geschichte"1) Von Julius Bab Zweifellos wäre es jetzt an der Zeit, deutsche Geschichte zu lesen; wenigstens mit einer Kenntnis dessen, was die deutsche Nation bisher erlebt und erlitten hat, sollte man sich wappnen, um den Entscheidungen zu begegnen, die diese schweren Tage mit sich bringen. Man soll sich freilich darüber nicht täuschen: auch aus der Geschichte wird jeder nur das lernen, was er zu lernen wünscht, nur folgern, was seine angeborene oder anerzogene Leidenschaft ihm vorschreibt. Aber doch ist sie die einzig legitime Waffe, für den, der seine Meinung verteidigen, der eine andere bekämpfen will; er soll sich mit ihr rüsten! Nun ist im Verlag Ullstein ein großer Band erschienen; auf 5oo Seiten erzählt Wolfgang Goetz „Eine deutsche Geschichte". Und Wolfgang Goetz ist nicht, wie sein Onkel, der Leipziger Professor, Historiker von Fach, sondern er ist der Autor des „Gneisenau", des Theater- 1) Wolfgang Goetz: Eine deutsche Geschichte. Ullsteinverlag Berlin 1901. 5oo S. 231