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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 226

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Jüdische Familien [Rezension]
Date
1932-08-01
Page
226 (sequence 2)
Language
German
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Bertha Badt-Slrauss suche bekannt machen mag. Wie sieht die jüdische Familie im Spiegel des heutigen Schrifttums aus? Denn den „Spiegel und die abgekürzte Chronik unserer Zeit" will uns der aus der Romantik in die Gegenwart geflüchtete Dichter unserer Tage vorhalten. Darum ist es nicht eben verwunderlich, was doch so viele Menschen — und vor allem so viele Juden — wundert: daß die Flut von Dichtungen, die sich mit dem Problem der jüdischen Familie beschäftigen, seit Jahren oder vielmehr seit Jahrzehnten nicht zum Stillstand gelangt. Denn die jüdische Familie ist geradezu das Schlachtfeld geworden, auf dem sich die schärfsten Kämpfe unsrer Zeit abspielen: Kampf zwischen den Generationen, Kampf zwischen Einzelmensch und Gemeinschaft. Welche Verwicklungen, welche Lösungen zeigt uns die jüdische Familie von gestern und heute? Wenn das Gestern uns nicht klar und offen liegt, ist ein „kräftig-frei" wirkendes Heute nicht zu erwarten. Die jüdische Familie von gestern, die altjüdisch-patriarchalische Familie, ist in den Werken dieser Zeit — vielsagende Beobachtung! — fast nur in der unserer jüdischen Gemeinschaft zu Unrecht abgesprochenen proletarischen Umgebung zu finden. Am eindringlichsten spricht sie zu uns im ostjüdischen Städtchen, diesseits oder jenseits der deutschen Grenze und in der Verpflanzung dieses altgewohnten Familiendaseins in das amerikanische Ghetto. Bücher von Schalom Asch, Theodore Dreiser, Joseph Roth, Michael Gold und vielen anderen halten dies erste Problem fest: ursprüngliche Enge und Lebensnähe von Mann und Frau, Eltern und Kindern — und dann die große Lockerung: neue Welt und neue Lebensbedingungen. Die Jungen werden zu Ernährern und Erhaltern der Familie, und auch den Alten ist es nicht mehr erlaubt, in frommer Beschaulichkeit die Tage zuzubringen. Wer in Tischnowitz „leinte" und dabei sein Auskommen fand, der wird jetzt Schneider in New York; wer in der alten Heimat sein ehrliches Handwerk betrieb, der muß jetzt froh sein, sich als Bananenverkäufer durchzuschlagen. Die Söhne aber verschwinden: Schemarjah badet in Atlantic City und taucht als Sam wieder auf. Neue Überlegenheit wächst ihnen zu als den wirtschaftlichen Stützen der für den Lebenskampf in Amerika unfähigen Eltern. Gewiß, die alte Liebe bleibt zwischen ihnen, und mehr wohl noch das alte Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber sie gehen neue Wege: die Söhne in Geschäft, die Töchter in ihrer Liebes- und Lebensgeslaltung. Und die Formen des alten jüdischen Lebens werden von ihnen mit allem andern „alten Plunder" als zur alten Heimat gehörig und in Amerika unangebracht beiseite geworfen. „Das ist Amerika!"" sagen sie wohl. Aber das stimmt nur zum Teil. Es ist der ewige Prozeß der Loslösung von Jugend und Alter, den hier eine aufgelockerte Zeit nach Kräften unterstützt. Auf einem ganz andern Erdreich erwächst die jüdische Großstadtfamilie dieser Zeit — und doch zeigen sich verwandte Kämpfe und Bestrebungen. Freilich: die Loslösung vom alt jüdischen Leben, die sich in der Proletarierfamilie des Ostens erst durch die Verpflanzung in eine neue Welt vollzieht, liegt hier schon eine oder mehrere Generationen zurück. Schnitzlers Familie Ehrenberg, 226

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