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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 222

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bibelforschung aus jüdischem Geist
Date
1932-08-01
Page
222 (sequence 14)
Language
German
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Ludwig Feuchtvvanger der Anarchie, die mit der unbedingten Theokratie vereinbar war, ja die nur sie gelten ließ, zur Glaubensvorstellung eines Volkskönigtums Gottes verhält, soll uns der zweite Band zeigen. Der dritte Band aber soll darlegen, wie daraus der messianische Glaube entsteht. Man muß das Ganze des ersten Bandes auf sich wirken lassen, dann die zahllosen Einzelprobleme, die hier gefördert werden, genau betrachten, immer aber die allgemeine Geschichtsansicht, die durch das ganze Werk vernehmlich verkündet wird, sich vergegenwärtigen: dann aber wird kein Zweifel mehr möglich sein, daß mit dieser neuen bibelwissenschaftlichen Gesamtansicht Martin Bubers eine neue Situation in der a 111 e s t a me n tli che n Forschung geschaffen ist. Zum erstenmal ersteht eine eigene jüdische kritische Bibelwissenschaft — jüdisch und kritisch zugleich —, die sich ihre Wege und Ziele nicht von fremden Tendenzen vorschreiben läßt. Die Hegemonie der christlichen Theologie in der modernen Wissenspflege der Bibel wird zum erstenmal nicht einfach als unabänderlich hingenommen; durchbrochen könnte sie nur durch eine systematische Wissenschaftsorganisation in Gestalt von jüdischen Lehrstühlen und Forschungsanstalten werden. In den theologischen Fakultäten der beiden christlichen Bekenntnisse wurde bisher das Wissen um das Alte Testament durch Jahrhunderte gepflegt; ursprüngliches Motiv war die bekannte dogmatische Stellung des Alten Testaments im katholischen und protestantischen Lehrgebäude. Auch als viel später die vergleichende religionsgeschichtliche Forschung, die semitische Sprachwissenschaft und die Profangeschichte der Antike die Bibel in ihre Domäne aufgenommen hatten, gaben weiter die christlichen Theologen den alttestamentlichen Studien die Richtung. Die Fragwürdigkeit einer historisch-philologischen Bibelwissenschaft ist allerdings in der neuesten Phase der theologischen Diskussion immer deutlicher erkannt worden. Man fragte sich immer eindringlicher, was für das Alte Testament eigentlich „Geschichte" ist, und worin für seinen Glauben die letzten Wurzeln seiner Gewißheit um die Wirklichkeit liegen. Die bedeutenden protestantischen alttestamentlichen Theologen Hempel, Weiser und Eichrodt haben sich in den letzten Jahren an dieser Diskussion lebhaft beteiligt. Durch die dialektische Theologie und die Befürworter der pneumatischen Exegese soll der alttestamentlichen Theologie ein anderes Ziel gesteckt werden; diese Richtungen sagen: Mit Hilfe der historischen Forschung ist das innere Wesen des Alten Testaments nicht zu erkennen; dieses liegt in der „Offenbarungswirklichkeit, die vom 222

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