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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bibelforschung aus jüdischem Geist
Date
1932-08-01
Page
221 (sequence 13)
Language
German
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Bibelforschung aus jüdischem Geist kämpft die naiv-meokratische . Begeisterung." Bis Gott David Ruhe geschafft hatte von allen seinen Feinden, bis also die letzte kananäische Enklave erobert war; der heilige Krieg, der Krieg des Gott-Melekh, der seine Verheißung erfüllt, ist vollendet. Ein neues Stadium der unmittelbaren Theokratie beginnt nach dem Tode von Josua, dem nach der Verweisung des Moses JHWH das „Charisma", die heilige Sendung übertragen hatte. Es ist das Stadium des Harrens auf die Epiphanie eines persönlich seine Qualifikation erweisenden Nachfolgers. Buber verwendet vor allem das von Max Weber gezeichnete Bild des „Charisma" zur Konstruktion einer besonderen Abart dieser Geist-Begabung in ahisraelitischer Zeit, des schwebenden Charisma: die vollkommene Selbstherrlichkeit der Gottheit sucht sich das Haupt auf, das sie mit ihrem Geist anhaucht. „Im Deboralied redet die Menschenart, die, nach dem Ende der ersten, im Faktum einer Nachfolge durch Übergabe gekennzeichneten Periode charismatischer Führung, der unmittelbaren Theokratie als der Grundwirklichkeit des öffentlichen Lebens treu bleibt." An Debora und derf Gesinnung der Menschen, die so gesprochen haben wie sie, erklärt der Verfasser die im neuen Stadium der unmittelbaren Theokratie auftretende Erscheinung des Nabi, des Propheten, des „Künders". Die Wandlung der Seele, die Ekstatik, sei dabei sekundär. Was die Propheten Israels gattungsmäßig von dem im wortlosen Taumel einherrasenden Verzückten unterscheidet, ist die Gabe des Wortes. Buber gibt uns ein Schema von den Äußerungen des frühen israelitischen Nabitums, eine Art — nicht historisch gemeinter — Elementarlehre des Prophetentums. Die wesentlichen Formelemente sind: Rhythmische Form, Gesang oder Sprechgesang, Mündlichkeit. Dieses „Dichten" geht nicht von beliebigen Einzelnen, sondern von Gemeinschaften aus, in denen sich das Gedicht mit seiner Melodie lebendig erhält, sich ständig in spontaner Begeisterung und immer wieder erhebender Inspiration erneuernd und weiterbildend. All dies ist gehalten in einem naiven Glaubenswissen, einer schlichten Besinnung und Gesinnung, „die aus der Erfahrung der Verbundenheit mit dem Inspirierenden das Geheimnis des Zusammenhangens von Oben und Unten zu fassen und zu künden sucht". Diese Propheten sind also eine Menschenart, die mit ihrer Hingabe, ihrer „Anawa" die alte beduinenhafte Freiheitslust der wandernden Stämme, die nur dem unsichtbaren Melekh-Gott gehorchen wollen, umwerten, die Tendenz zur alleinigen Bindung an den göttlichen König sublimieren. Wie sich der sakrale Charakter des israelitischen Königs, des Bändigers 221

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