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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 220

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bibelforschung aus jüdischem Geist
Date
1932-08-01
Page
220 (sequence 12)
Language
German
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IRI
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Ludwig Feuchtwanger positive, die sich im Sinai-Bund ausspricht. Die Herrschaft über die Menschen gebührt nur Gott. „Das Paradox aller ursprünglichen und unmittelbaren Theokratie, daß sie auf die Unbändigkeit der menschlichen Person, den Trieb desi Menschen, vom Menschen unabhängig zu sein, eingeht, aber nicht um einer Freiheit, sondern um einer höchsten Bindung willen, erscheint schon im Sinaibund. Die existenzielle Tiefe dieser Paradoxie zeigt sich darin, daß die höchste Bindung ihrem Wesen nach keinen Zwang kennt, daß ihr Vollzug also in jedem Augenblick der Glaubenssphäre des Gebundenen überantwortet ist. der von ihr befehligt einer vollkommenen Gemeinschaft aus Freiwilligkeit, einem Gottesreich zustreben oder sich von der Berufung auf sie decken lassend einer trägen oder verwilderten Unordnung verfallen kann. Auf die politische Auswirkung hin angesehen: dasselbe Prinzip, das, wo der rechtmäßige Inhaber des Auftrags, der «charismatische» Mensch, da ist, seiner Vollmacht die irdische Bestätigung gibt, wird, wo er fehlt, dazu mißbraucht, entweder seinen Affen oder die leere Herrschaftslosigkeit zu sanktionieren. Daraus ergibt sich, daß um seine Wahrheit gekämpft, religiös-politisch gekämpft werden muß." Der Sinaibund ist so von der religiösen Geschichtsansicht Bubers aus vollständig zu verstehen. Die Exegese der entscheidenden Stellen Exodus 19, 3b—6 wird dabei mit philologischer Exaktheit im Bereich des Eigenlebens des Textes gegeben.1) Die Gefahr des Eigenlebens der „Geschichtsansicht" neben der reinen Textinterpretation ist bei dieser Art von Ableitung nicht immer ganz vermieden. Der Verfasser sagt es selbst: „Der theologische Blick läßt uns hier an die Grenze der immanenten als der einzig wissenschaftsmöglichen Geschichtsbetrachtung gelangen." Die Einmaligkeit, die besondere Höhenlage des Gedankens von der unmittelbaren absoluten altisraelitischen Theokratie, die Entmagisierung des Glaubens n u r in Israel (nicht in Ägypten und nicht in Babylon) will der Verfasser so zuverlässig wie möglich mit dem Sicherheitsgrad eines philologisch-historisch durchleuchteten Textes herausstellen. Die unmittelbare Theokratie ist Buber der Schlüssel zu einem tieferen Verständnis der biblischen Geschichte; verschütteten Vorgängen kommt man mit diesem Schlüssel in der Tat näher, etwa dem Geschichtskern der nach dem Tode Moses unternommenen Eroberungszüge, die aus dem Josuabuch nicht sehr leicht herauszulösen sind. Buber faßt sie als Aktionen eines „heiligen", von JHWH befohlenen und befehligten Krieges. „In den Kriegen Israels uni Kanaan *) Auf Seite iziff. und in den dazugehörigen Anmerkungen. 220

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