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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bibelforschung aus jüdischem Geist
Date
1932-08-01
Page
219 (sequence 11)
Language
German
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Bibelforschung aus jüdischem Geist sich Israel nannte, erst- und einmaligin der Völkergeschichte als Volk mit der ausschließlichen Gottesherrschaft Ernst zu machen sich unterwand?" Diese Frage führt in der Tat mitten hinein in die eigene — jüdische — Leistung Bubers. die ihn weitab von der üblichen historischen Universitätstheologie protestantischer Färbung führt. Mit „historisierender Theologie" meint Buber die von Wellhausen behauptete „Rückprojektion" schriftprophetischer Theologumena in die Geschichte. E r behauptet dagegen, daß Texte, „deren direkter oder indirekter Gegenstand die zwischen Ägypten und Kanaan vollzogene Ausrufung JHWH zum König von Israel ist", einer ersten Geschichtstradition angehören, also einer aus dem — wie sehr auch mythisierenden — Bericht einer Begebenheit entstandenen Überlieferung, und nicht einer Überlieferungsfiktion theologisch-literarischer Herkunft. Das siebente Kapitel ist dem „Königsbund", d. h. dem Sinaibund zwischen Volk und Gott (Exodus 24, 7 u. 8) und der Ankündigung des Königsbundes in der ersten Bergrede (Exodus 19, 3b—6) gewidmet. „. . . Ihr aber sollt mir werden ein Königreich von Priestern, ein ausgesonderter Stamm." Die fast erblindeten Buchstaben dieser Botschaft werden von Buber mit allen Mitteln der Wort- und Sinnerklärung, der religionswissenschaftlichen vergleichenden Methode, vor allem durch Gegenüberstellung der späteren Bundesschlüsse, dann aus der Theruastelle der Bileamlieder (Numeri 2 3, 21), aus dem Rahmenlied des Mose-Segens (Deuteronomium 33) und dem Meerhymnus (Exodus i5) zum neuen Strahlen gebracht. Der Verfasser widerspricht auch bei der religionsgeschichtlichen Erklärung der Vorgänge beim Sinai-Bund der heute noch vorwiegenden Annahme einer Zurückprojizierung späterer ritualer Gebräuche in die Frühgeschichte. Was in dem größeren Exkurs (S. 2<4i ff.) zur Begründung der älteren Datierung der Bileamsprüche gegen Mowinckel gesagt ist, wird in der alttestamentlichen Spezialforschung noch erörtert werden müssen, ebenso wie der frühere Exkurs über die Lade (S. 209 ff.), der sich mit der Arbeit von Rad „Zelt und Lade" auseinandersetzt. Das achte Kapitel „Um die Theokratie" geht aus vom negativen Gehalt des Sinaibundes, daß nie ein Mensch König der Söhne Israels heißen soll. Das erbliche Königtum ist der eigentliche Widerpart der unmittelbaren Theokratie. Diese „Auflehnung gegen alle Statik der Menschengewalt" leitet Buber aus der Nachwirkung nomadenhafter, halbseßhafter Herkunft der israelitischen Stämme ab. Die Freiheitslust der vorislamischen Beduinen wird dabei sehr glücklich zur Beweisführung herangezogen. Der negativen Anlage entspricht die 219

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