Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Bibelforschung aus jüdischem Geist
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 218 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Feuchtwanger der Semikha (Handauflegen), vor allem auf die Grundlagen des Opferkultes und auf den „großen Protestantismus" der Propheten mit ihrem Protest ..gegen das spukhafte Possenspiel eines intentionsleeren Opferkults" gebracht wird. Das Einmaligkeitsproblem des biblischen Glaubens ist das Thema dieses schwierigen Kapitels. Der jüdische Gott tritt im Gegensatz zur gemeinorientalischen Melekh-Gottheit sein Regiment in Wirklichkeit praktisch auch an, durch Gebot, das sich an den ganzen Menschen, in der Form der Vorstellung an das Gemeinwesen in allen seinen Möglichkeiten und Äußerungen wendet, und zwar institutionell durch priesterlichen Mund, „vor allem aber in der Freiheit seines einherbrausenden Geistes, durch jeden, den der Geist ergreift". Die vorstaatliche Geschichte Israels ist die Geschichte „der von Gläubigen mit gläubigen Sinnen erfahrene, im gläubigen Gedächtnis geformte, vom gläubigen Wort beschriebene Geschichte des Geschehens zwischen dem König JHWH und seinem Volk". Diese vorstaatliche israelitische Geschichte besteht durch die ursprüngliche Möglichkeit jenes Gebotes der Unbedingtheit und Ganzheit des „Gehorsams". Der Gehorsam ist wieder die menschliche Antwort auf das Gebot, „eine stammelnde, versagende, wieder anhebende, aber doch eine Antwort des brüchigen Menschenwesens". Aus der Vorstaatlichkeit der Patriarchengeschichte schreitet die Handlung zwischen JHWH und Israel weiter zur Volkwerdung infolge des Auszugs von Ägypten: der Unbedingtheitsanspruch des Gottkönigtums erfüllt sich, indem das Volk JHWH selber zum König ausruft, ihn allein und unmittelbar (Exodus i5, 18), und JHWH selber, allein und unmittelbar, die Königsherrschaft antritt (19,6). Diese entscheidende Gottesbegegnung — die der jüdischchristlichen Gottesvorstellung bis heute ihre Prägung gegeben und beide Religionen im Grund vereinerleit — ist ein Vorgang, an dem Buber seine Geschichtsansicht deutlich macht: ein Vorgang, „den der Glaube eine Offenbarung und die Religionswissenschaft einen kollektiven Glaubensakt nennt". Buber fragt: „Ist es historisierende Theologie oder ist es Geschichte, daß ein Verband halbnomadischer Semitenstämme irgendeinmal, jedenfalls vor mehr als dreitausend Jahren, auf der Wanderschaft von Ägypten nach Kanaan, statt etwa, wie es wohl andere semitische Völker in solcher Stunde der Einung und des hochgemuten Voranzugs getan haben, seinen menschlichen Führer, wiewohl unter gleichbetitelter göttlicher Oberheit, zum Melekh zu erheben, den Gott selber, seinen Gott JHWH dazu ausrief? Daß also dieser Stämmeverband, der 218