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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 217

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bibelforschung aus jüdischem Geist
Date
1932-08-01
Page
217 (sequence 9)
Language
German
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Bibelforschung aus jüdischem Geist der Lade, mit der ganzen großartigen Darstellung jener kultisch-sakramentalen Vorgänge des göttlichen Wandeins und Weilens. Die Verharmlosung und moralistisch-verschwommene Vereinerleiung der ganzen gewaltigen biblischen übersinnlichen-simüichen Welt im späteren jüdischen Lehrbetrieb hat Texte, Begriffe, Bilder, Handlungen und Forderungen auf eine einzige nivellierende Ebene aufgetragen und die Schrift einem tieferen Verständnis entrückt, sie vor allem den Kämpfen der sich immer von neuem von Geschlecht zu Geschlecht vollziehenden Aneignung ihres Inhaltes entzogen. tJnter der Führung Bubers, seines Übersetzungswerkes und seiner Kommentar- Bücher, könnte man sich eine neue Aneignung der Bibel in jüdischem Sinne, fern von nachträglichen dogmatischen Spekulationen vorstellen. In einer schon durch Vorträge des Verfassers bekannt gewordenen Interpretation der Mosesfrage Exodus 3, i3 aus der Dornbuschbegegnung: „. . . Sie werden mir sagen: Was ist's um seinen Namen? — Was sage ich ihnen dann?" und ihrer Beantwortung: Eh je ascher eh je wird die Einzigartigkeit des israelitischen Gottesglaubens deutlich gemacht. „Was hier berichtet wird, ist, religionsgeschichtlich betrachtet, die Entmagisierung des Glaubens." Es ist schon im Keime die vergeistigte hohe Gottesvorstellung der Spätzeit. Nicht Bann und Zauberspruch rufen diesen Gott herbei. Sondern es ist der „lebendige Gott",, der der Welt, die er geschaffen hat, beisteht. In der Vorstellung der Gottesherrschaft des noch landsuchenden nomadisierenden Stammes war schon der allgewaltige, unsichtbare, allgegenwärtige „El-Melekh" der Propheten enthalten. Buber bestreitet nach dieser tiefgehenden Grundlegung an der Spitze des sechsten Hauptkapitels „Der Glaube Israels", daß der Prozeß von dem Gottesglauben der Auszugszeit zu dem der Exilzeit als ein Anderswerden, ein Hinzutreten neuer geistiger und sittlicher Werte, wenn auch als Einbuße an Realitätsgehalt, anzusehen ist. Der Gott mit dem Unbedingtheitsanspruch des echten Königtums, der Herr aller Wirklichkeit ohne Rivalen hat seinen Urgrund im alten Israel. Die Einzigkeitslehre, die Buber in ihrer Reinheit, in ihrer sich von jeder unverbindHchen Weltanschauung abhebenden Ganzheitsgeltung mit begrifflicher Glut hier noch einmal höchst lichtvoll darstellt, ist freilich nur dem erreichbar, der Bubers Theorien aus seinen übrigen berühmten Schriften, etwa „Ich und Du", erfassen kann und dem solche sicher ganz echten Ausbrüche aus dem Sagbaren etwas zu sagen vermögen. Realer, wissenschaftlicher Boden wird wieder gewonnen, sobald die Sprache auf das Gegen- und Zerrbild des echten Melekh-Dienstes, dann auf die biblischen „Altertümer" wie den Brauch 217

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