Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Bibelforschung aus jüdischem Geist
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Feuchtwanger Israel, jedermann tat, was in seinen Augen grad war." Wie dann wirklich die monarchiefeindliclie Schrift und Gegenschrift zu einer bruchlosen Einheit komponiert werden und nebeneinander als wahr bestehen konnten — in dem einen gläubigen Buch die Darstellung einer hinterher als mißglückten Versuch hingestellten primitiven Theokratie, in dem andern literarischen Fünfkapitelbuch die nachträgliche, etwas mühselige Struktur der angeblich wahren politischen Lehre — hängt mit der religiösen Geschichtsansicht des Verfassers zusammen. Diese ist von einem gewöhnlichen Historismus, der erzählt oder ausfindig zu machen sucht, wie es nun eigentlich wirklich zugegangen ist, weit entfernt. „Läßt denn die widerspruchslebendige Gewalt des historischen Schicksals sich von einem Pragmatismus meistern?", fragt Buber an einer Stelle; und antwortet: „Nur wenn in diesem eine tiefere Wirklichkeit sich, wenn auch nur notdürftig, logisiert." Im dritten Kapitel werden die biblischen Texte mit dem Geist der altorientalischen Umwelt konfrontiert, die für die moderne Bibelforschung in den letzten dreißig Jahren eine entscheidende Rolle spielt. Das „Gotteskönigtum" im Alten Orient, die streng geschichtlichen und urkundlich belegten Seitenstücke im ägyptischen, babylonischen und südarabischen Kulturbereich werden in ihrer Eigenart beschrieben und von dem ulimittelbaren und ausschließlichen göttlichen Herrschertum im Sinne des Gideonsspruches begriff lieh scharf gesondert. Das alte Israel war unbestritten jenen altorientalischen Einflüssen aufs stärkste ausgesetzt, aber seine theokratische Idee hatte es nach Buber ganz unmetaphorisch, uneingeschränkt real als Forderung der rein irdisch-politischen Gottesherrschaft erhalten. Die Frage lautet zunächst: Was ist das Eigentümliche des altisraelitischen theokratischen Willens im Verhältnis zur gemeinorientalischen Vorstellung des Gotteskönigtums? Der Weg zur Antwort führt zunächst im vierten Kapitel zur Untersuchung des westsemitischen Stammesgottes. Zunächst werden die semitischen Gottesbezeichnungen MLK, EL und BAAL rehgionsgeschichtHch geklärt; dann kann die Darstellung im fünften Kapitel zu dem zentralen Grundbegriff „JHWH der Melekh" vordringen. Das Verständnis großer Teile der Bibel hängt von einer deutlichen religionsgeschichüichen Erfassung dieser Ideenwelt ab. Sonst bleibt etwa bei einer Pentateuch-Lektüre nur eine ziemlich nichtssagende, vage, gänzlich ausgehöhlte Vorstellung übrig von der Gottheit, die ihre Scharen, ihr Volk aus dem Land, in dem es versklavt war, herausführt, von dem Gottesgespräch im Dornbusch oder von dem Zelt der göttlichen „Begegnung" mit seinem Mittelpunkt, 216