Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Bibelforschung aus jüdischem Geist
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 213 (sequence 5)
- Language
- German
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Bibelforschung aus jüdischem Geist Heilseschatologie für Israel herausgebildet, in deren Mittelpunkt nach dem großen staatlichen Zusammenbrach der künftige König aus dem Hause Davids, der Weltheiland, getreten sei. Im Jahr 1905 schrieb dann Greßmann sein berühmtes Buch über den „Ursprung der israelitisch-jüdischen Eschatologie". Während bis dahin die literarkritische Schule die Lehre von der Endzeit und die Messiashoffnung für jünger als die Propheten erklärte, versuchte Greßmann den Nachweis, daß es schon vor dem Exil eine ursprünglich aus der Fremde stammende volkstümliche Eschatologie und Messiasvorstellung in Israel gegeben habe und daß die Propheten sie aus dem Volksglauben „entlehnt" hätten. Ihr Ursprung reicht nach Greßmann in die Zeit Davids zurück und ihre Blüte fällt nach ihm in das 8. und 7. Jahrhundert. Serubbabel bedeutet nur den letzten Nachtrieb eines bereits absterbenden Glaubens; e^ne völlig neue Gestalt sei dann der Gottesknecht von Jesaias 53. Greßmann ist später (1926) ausdrücklich der These von Galls, ausgesprochen in seiner religionsgeschichtlichen Studie zur vorkirchlichen Eschatologie „Basileia tu theu" entgegengetreten; die These von Galls lautete: „Das jüdische Gesetz ist in seiner Entstehung und seinem Werden nicht ohne die messianische Hoffnung zu verstehen. Beide sind in nachexilischer Zeit aus derselben religiösen Stimmung der werdenden palästinischen jüdischen Gemeinde entstanden". Die „Unheilseschatologie" (die Lehre von Strafgericht und der Vernichtung des Hauptteils Israels) und die „Heilseschatologie" (die Erwartung des Messias) reichen dagegen nach Greßmann in die alte Volksreligion zurück; starker fremder Einfluß sei bei dieser alten vorexilischen „Volksreligion" und bei ihrer nachexilischen Umgestaltung am Werk gewesen. Ohne den Hintergrund der modernen wissenschaftlichen Kontroversen namentlich aus der protestantischen alttestamentlichen Forschung bleibt Buber, trotz seiner absoluten Selbständigkeit in allen Entscheidungen, unverständlich. Für ein altgläubiges Judentum etwa, das den massoretischen Bibeltext als unantastbares, nicht zeitbedingtes, göttliches Wort aus einem Guß zu betrachten pflegt und diesen zeitlosen Text außerhalb der Sphäre des menschlichen Meinens und der Wandelbarkeit menschlicher Geistentwicklung stellt, für ein solches Judentum sind die Fragen und Antworten Bubers gegenstandslos. Dasselbe gilt für die katholische alttestamentliche Forschung. („Die rationalistischen Hypothesen, welche die Erscheinung des israelitischen Prophetentums erklären wollen, versagen gegenüber dem tatsächlichen Bilde, welches das A. T. von den Propheten entwirft".1) x) Goettsberger, Einleitung in das Alte Testament. 1928, S. 2S1. 213