Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Bibelforschung aus jüdischem Geist
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 211 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2895450-2895507-2895511-2902401--05884-2902477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bibelforschung aus jüdischem Geist anderes als eine Sprache, die hauptsächlich dem Ohr verständlich sein soll, in die typische Sprache des geschriebenen Wortes verwandeln. Denn die hochdeutsche Sprache ist nun einmal „in und mit dem riesigen Anwachsen der Kulturmacht des schriftlichen Verkehrs in Gelehrsamkeit, Recht, Staat, Geschäftsleben geboren*' (Hankamer). „Ihre Syntax ist eine Syntax des Auges/' So entstand bei dem heißen Bemühen, einer typischen Schriftsprache den Klang des Urtextes mitzuteilen, manches im ersten Augenblick des Lesens Unverständliche, Gewaltsame. Von einer wiedergewonnenen Bibel für den unbefangenen, philologisch und literarisch nicht speziell ausgebildeten Laien kann jedenfalls bei dem Buber-Rosenzweigschen Übersetzungswerk nicht die Rede sein. Wer dagegen den hebräischen Text damit zusammenhält und außerdem bei jedem Wort und jedem Satz die dahinter sich auftürmende Kontroversliteratur kennt, sieht sich in Besitz eines wertvollen Kommentars voll wichtiger Neuentdeckungen gesetzt. So entstand bald die begreifliche Absicht der Übersetzer, einen ausgearbeiteten modernen Kommentar zu der verdeutschten Bibel zu geben. Ursprünglich wollte Buber die Ergebnisse seiner Bibelstudien unter dem Titel „Der biblische Glaube" vereinigen. Die Einengung der Aufgabe erwies sich indes soforl als zwingend. Auf das biblische Zentralproblem der Entstehung des Messianismus und der sich daran knüpfenden großen christologischen Frage sollte die Hauptkraft konzentriert werden, und zwar in einem dreibändigen Werk, wovon der erste Band vor uns liegt.1) Darin soll dargestellt werden, wie es zur „politischen" Hauptidee des Judentums, zum Messianismus kommt. Diesen messianischen Glauben will Buber aus der ursprünglichen, streng geschichtlichen theokratischen Forderung der israelitischen Frühzeit verständlich machen. Also die historische Realität, nicht eine spätere Illusion oder etwa eine theologische Spekulation hat die messianische Erlösungshoffnung Israels geschaffen. Die herrschende Lehre führte innerhalb der bisherigen modernen alttestamentlichen Forschung diese Messias-Hoffnung auf fremde Herkunft zurück und behauptete eine Wanderung der „Idee" von Ägypten über die Amoriter zu Altisrael und zu den Propheten. Um die Forscherleistung Bubers einem im allgemeinen mit der herkömmlichen Universitätstheologie weniger vertrauten Leserkreis vollkommen deutlich x) Martin Buber, Professor der Religionswissenschaft an der Universität Frankfurt a. M., Das Kommende. Untersuchung zur Entstehungsgeschichte des Messianischen Glaubens. Bd.I: Königtum Gottes. XX, 2G0 Seiten. Berlin, Schocken-Verlag, 1932. 211 u