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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 202

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Bürgerlichkeit , Religion und junge Generation
Date
1932-08-01
Page
202 (sequence 3)
Language
German
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Herman M. Sänger nur die Folgerung aus einer bereits durch das Bürgertum geschaffenen Tatsache, zum anderen Teil aber die Intoleranz des neuen Menschheitsevangeliums (in diesem Sinne spricht Coudenhove-Calergi von der „kommunistischen Kirche" und Werfel von einer „religionssurrogierenden Glaubensart")-1) Es bleibt zunächst zu klären, wie es ganz allgemein heute mit der Religion steht, um dann die besondere Lage des Judentums betrachten zu können. Solches Nachdenken ist urjüdisch, weil es die Welt von der Religion aus zu begreifen sucht, und der gläubige Novalis hat einen ähnlichen Gedanken einmal ausgesprochen: „Höchst merkwürdig ist diese Geschichte des modernen Unglaubens und der Schlüssel zu allen ungeheuren Phänomenen der neueren Zeit". Wenn man die Möglichkeiten für die Religion unter der jungen Generation betrachtet, ergibt sich kein eindeutiges Bild. Die einfache Anschauung und Beobachtung wird unterstützt von einer großen Zahl vielseitiger Bekenntnisbücher, die die Dokumentenliteratur unserer Zeit bilden. In umfangreichen Bänden oder kleinen Pamphleten wird die Diskussion geführt. Widersprüche sind hier Symbole der neuen Entwicklung. Da wird geradezu einmütig festgestellt: die Religion ist unserer Zeit verloren gegangen. Man; schafft sich „Ersatzaffekte" für diese verlorenen Empfindungen, denkt an die Lebensphilosophie als Ersatz der Religion, des Kirchenglaubens, weil ja die Religion im Weltkrieg und jetzt versagt hat, weil sie den Menschen in Not heute wie damals keinen festen Halt geben, ihnen nicht Lebensgrundlage sein kann. Neue Metaphysik? Über die „Schule der Weisheit" lächelt dieser junge Mensch, von seiner echten Sachgesinnung durchdrungen. Gleich darauf aber betont er wieder die Sehnsucht nach Gemeinschaft, Unterordnung und Bindung, ein Bedürfnis, das gerade allem echten religiösen Leben seine Stärke gibt. "Da ein metaphysischer Rest aber stets bestehen bleibt, versucht man diesen Widerspruch zu verdecken durch die ständige stillschweigende Gleichsetzung von Religion und Kirche. Bei den tiefer veranlagten Geistern verstärkt sich noch das Suchen nach neuen Lebenswerten und neuen Fundierungen, das auch allen anderen eigen ist. Sie vermögen aber auch allen Sehnsüchten und Forderungen besser Ausdruck zu geben, weil sie ihre tiefsten Motive deutlicher wahrnehmen können. Man stellt zwar auch hier einen Ausklang der Metaphsiyk fest, einen Abfall von transzendenten Mächten, aber die Religiosität als Kern der Religion bleibt ein wichtiger spiritualistischer Wert, der auch aus x) R. N. Coudenhove-Calergi, Stalin & Co., Paneuropa-Verlag 193r. Franz Werfel, Können wir ohne Gottesglauben leben? Paul Zsolnay-Verlag 10.32. 202

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