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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 186

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Vom Wesen der Gemeinschaft
Date
1932-08-01
Page
186 (sequence 6)
Language
German
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Max Dienemann: Vom Wesen der Gemeinschaft ruhenden Gläubigkeit, die demütig Gott und sein Walten bekennt, das Sichberufen auf ein mystisches unnennbares Etwas, ein Unfaßbares, in das jeder seinen Willen und seine Gedanken hineintragen kann, von dem man zwar sagen kann, es sei überindividuell, das aber, weil jeder es von sich aus versteht, in Wahrheit die stärkste Abhängigkeit vom Individuum hat. Ausgangspunkt dieser Berufung auf einen unabhängig vom Einzelnen waltenden Geist des Ganzen ist Fichtes Satz: „Dies ist in höherer vom Standpunkt der Ansicht einer geistigen Welt überhaupt genommenen Bedeutung des Wortes ein Volk: das Ganze der in Gesellschaft miteinander fortlebenden und sich aus sich selbst immerfort natürlich und geistig erzeugenden Menschen, das insgesamt unter einem gewissen besonderen Gesetze der Entwicklung des Göttlichen aus ihm steht. Die Gemeinsamkeit dieses besonderen Gesetzes ist es, was in der ewigen Welt und eben darum auch in der zeitlichen diese Menge zu einem natürlichen und von sich selbst durchdrungenen Ganzen verbindet." (Aus der achten Rede an die deutsche Nation.) Sieht man selbst davon ab, an diesem Worte die soeben vorgebrachte Kritik zu üben, daß hier zwar vom Göttlichen die Rede ist, aber in einer Weise, die das Göttliche — was heißt das „Göttliche?" wo ist „Gott?" — von den Menschen abhängig macht, so liegt gerade in diesen Worten Fichtes von den miteinander fortlebenden sich geistig erzeugenden Menschen ein Bekenntnis zu der Bildung von Volk und Gemeinschaft aus dem Zusammenleben der schicksalmäßig zueinander geführten Menschen. Wahrhafte und wirkliche Frömmigkeit müßte sagen: Gott führt im ewigen Lauf und Wechsel des Geschehens Menschen in das gemeinsame Schicksal einer Landschaft, eines Staates mit ihren geographisch bestimmten oder willensmäßig sich entfaltenden oder durch äußere Einflüsse bestimmten Erlebnissen. Aus ihnen formt sich Gemeinsamkeit des Fühlens und Denkens, des Wollens und Wirkens. Diese Schicksalsbestimmungen göttlicher Fügung vom eigener« Willen aus bejahen: das heißt in Wahrheit und einzig das Überindividuelle im Einzelnen walten lassen, gegen die Gemeinsamkeitsfügungen göttlichen Waltens aufbegehren und sie auseinanderreißen, das heißt atomistisch denken, den Einzelwillen zum Bestimmenden erheben. 186

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