Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur [Rezension]
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 179 (sequence 17)
- Language
- German
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Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur schlank, sportgestählt, kühn, blond, ein bißchen problematisch, damit es einen Roman gibt, überlegen, mit einem Würmchen im Innern, so leidenschaftlich, daß sie immer gleich erbleichen; immer gehen sie aufs Ganze, und nie tun sie etwas, außer, daß sie sich das Weltall unterwerfen. Wenn von diesen Schriftstellern einer noch halbwegs erträgliches Deutsch schreibt, so muß man froh sein. Aber im übrigen kann man erschütternde Stilproben von ihnen dutzendweise beibringen. Sie machen die jungen Menschen glauben, Schnoddrigkeit sei Freiheit, Haß sei Größe. Verzerrung sei Psychologie; Konstruktion wird für Romantik gehalten, Schamlosigkeit gilt als Wahrheit. Sie züchten einen windigen, lumpigen Weltstädterhochmut gegenüber allem, was vom Boden, von der Tradition und aus jenen Gebieten kommt, die immer waren und immer sein werden. Sie haben keine Ahnung von dem, was Volk ist, und sie bemessen dessen Wert nach dem Erfolg oder Mißerfolg, den sie mit ihren Vorlesungen und Büchern dort; haben. Sie wollen den Leuten die Auffassung beibringen, daß Verleumden, Verzerren und Bespötteln schöpferische Tätigkeiten und Neugestaltung seien." So lautet die „Predigt der Marienburg". Nicht übersehen sollte werden: E. G. Kolbenheyer, Stimme, München 1930. In den Sätzen des ersten Aufsatzes über die Volkwerdung verrät sich eine wundervolle Art der Betrachtung. Der Prozeß der Volkwerdung wird grandios geschildert. Da steckt Eugenik drin! Julius Goldsiein: Deutsche Volksidee und Deutsch-Völkische Idee. 2. Aufl. Philo-Verlag, Berlin, 1927. 154 S. Der Schmerz eines ethisch hochgearteten Menschen spricht aus dem Buch. Ich erhielt es als Geschenk des Verfassers, als ich von einer Studienreise durch Kleinasien in Stambul ankam. Es war der Gruß eines seelisch Verwundeten an einen seelisch Verwundeten. Meine Haltung gegen die scheinwissenschaftlichen, scheinvölkischen und scheinethischen Rassenlehren von heute hat mir viel herzhafte Zustimmung und manchen guten Händedruck gebracht, aber auch sehr viel Bitterkeit. Es wäre hier unwichtig zu sagen, was mir in jenen Tagen an Unrat nachgeschickt wurde und was ich, der ich nicht ohne Vaterland gedeihen kann, an Hagelkörnern des Hasses über mich ergehen lassen mußte. Aber wichtig ist es meinem Herzen, mich zum Gedankenwerk eines Verewigten zu bekennen, dessen ganze Liebe dem deutschen Volke galt. 179 12*