Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur [Rezension]
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 176 (sequence 14)
- Language
- German
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Friedrich Merkenschlager nach der Nomenklatur des „Rassenforschers" Günther als „vorwiegend ostbaltisch" und demnach als „Knechtsrasse" abzustempeln wäre. Wie in allen Arbeiten von Salier ist auch in dieser Abhandlung die wissenschaftliche Wahrheit konzessionslos zum obersten Prinzip erhoben worden.1) Franz Weidenreich: Konstitution und Rasse. Berlin 1927, 178 S., 201 Abb. Die große Variationsbreite der Menschenformen in allen Landschaften der Welt, selbst in isoHerten Gebieten, mahnt zur Vorsicht im Gebrauch des Rassebegriffes. Überall, in allen Landschaften, lassen sich hochgewachsene, langschädelige und untersetzte Formen feststellen. Der Rassenbegriff wird damit zu einer Sache bloßer Konvention, in den landläufigen „Rassenlehren" herrsche bloße Behauptungstechnik, die Ergebnisse stünden von vornherein fest. Die Wahrheit sei mit dieser Behauptungstechnik nicht in Einklang zu bringen, so gehörten die größten Verstandesmenschen (Leibniz, Luther, Goethe, Schopenhauer) dem brachoiden, ja ultrabrachoiden Schädeltyp an, für welche die Betrachtungsweise Güntherscher Prägung die Inferiorität a priori voraussetzt. K. H. Jacob-Friesen: Grundfragen der Urgeschichtsforschung. Rassen, Völker und Kulturen. Hannover 1928. 268 S. 20 Mk. Das Werk zeichnet sich durch eine große Kenntnis der älteren Rassenliteratur aus. Der jüngeren Scheinwissenschaft wirft es nur ein paar Sätze hin, aber diese Sätze sitzen, daß die Späne fliegen. „Die Rassenphilosophie ist in unseren Tagen zum Rassenfanatismus ausgeartet und sogar in die Politik hineingetragen worden. Viele Unberufene werfen mit anthropologischen Begriffen herum, deren Sinn sie kaum erfaßt, deren Wert im Aufbau der Wissenschaft sie nicht im entferntesten abwägen können." I. R. Mucke: Die Urbevölkerung Griechenlands. Leipzig 1927. 319 S. Der Dorpater Gelehrte hat sein letztes Werk der Genesis des hellenischen Volkes gewidmet. Das hellenische Volk war dualistisch gegliedert.. Eine Rasse der Ebenen („Unterland") und eine Bergrasse standen in Wechselreaktion und erzeugten das griechische Feuer. Der Verfasser konnte sein Lebenswerk,!) Außerdem sind erschienen: Bd. V. Walter Scheidt: Physiognomische Studien an niedersächsischen und oberschwäbischen Landbevölkerungen. Beschreibende Physiognomik und physiognomische Statistik. — Bd. VI. Walter Scheidt: Alemannische Bauern in rechnauischen Herrschaftsgebieten am Bodensee. — Bd. VII. Friedrich Keiter: Schwansen und die Schlei. Schleswigsche Bauern und Fischer. — Bd.VIII. Herbert Göllner, Volks¬ und Rassenkunde der Bevölkerung von Friedersdorf (Kreis Lauban, Schlesien). Gustav Fischer, Jena. 176