Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur [Rezension]
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 175 (sequence 13)
- Language
- German
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Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur Bd. II. K. Salier: Die Keuperfranken. Eine anthropologische Untersuchung aus Mittelfranken. Gustav Fischer, Jena. 1930. Der zweite Band gilt einer Landschaft, in welcher eine der Hauptquellen der freien Reichsstadt Nürnberg entsprang. Es handelt sich um einen sehr gedrungenen, stark wendisch beeinflußten Volksschlag, der in neuerer Zeit das Grundmaterial zu den Ingolstädter Regimentern lieferte. Die Stammrollen des ehemaligen 10. und i3. Bayerischen Infanterieregiments führten in blutvoller Fülle die Namen der Landschaft, bis in der letzten Geschichte der Regimenter, die der Festung Verdun am nächsten kamen, die Jahrgänge einer halben Generation sich verbluteten. Wenn man diese Landschaft nach dem Schema des „Rassenforschers" Günther gliedert, dann finden sich nach den Erhebungen Sallers folgende Rassen: Nordisch: oo/o, alpin: 28,10/0, dinarisch: i4,i°/o, ostbaltisch: 33,4%, Cromagnonrasse: 12,50/0, mediterran: 00/0. Die Landschaften, die Salier der anthropologischen Diagnose unterwirft, werden nicht ,.frisiert". Es wird nichts hinzugesetzt, nichts verklausuliert und nichts geschmeichelt. So tritt uns die „Keuperbucht" äußerlich schmucklos entgegen. Wer die Landschaft über die Erhebungen Sallers hinaus psychologisch beurteilen will, der muß die Fäden suchen, die zum Nürnberg Willibald Pirkheimers führten, der muß die Blutlinien verfolgen, die nach Loretto und nach Fleury weisen. Die Landschaft ist konfessionell zerrissen. Das ist ihre tiefe Tragik. Die im Dreißigjährigen Krieg ausgebluteten evangelischen Dörfer erhielten starke alpendeutsche Blutlinien (Emigranten). Aber nennenswerte Rassenunterschiede zu den katholischen Sprengein, die bereits in frühkarolingischer Zeit besiedelt waren, bestehen nicht, bis auf einen am großen Abenberger Wald gelegenen Wildhorst (Mäbenberg), wo das Älplerblut (Defreggertyp) sichtbar der Frankonisierung entzogen blieb. Bd. III. H. A. Ried: Miesbacher Landbevölkerung. Eine rassen- und volkskundliche Untersuchung aus Oberbayern.'Gustav Fischer, Jena. 1930. In der Geschlossenheit der Darstellung ist dieser Beitrag wohl der glücklichste der bis jetzt erschienenen Bände der großen „Deutschen Rassenkunde". Der volkskundliche Teil wird hier organisch getragen von einer gut ausgearbeiteten anthropologischen Unterlage. Bd. IV. K. Salier: Die Fehmaraner. Gustav Fischer, Jena. 1930. Das nordische Eiland Fehmarn ist anthropologisch grundlegend bearbeitet worden. Wikinger und Wenden haben sich hier zu einer Inselrasse legiert, die 175