Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur [Rezension]
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 172 (sequence 10)
- Language
- German
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Friedrich Merkenschlager großartig-. Der echte Dichter braucht kein wissenschaftliches Mäntelchen, er ist ehrlich gegen sich und andere. Und so wäre wissenschaftliche Kritik an diesem Panorama kleinlich und aufdringlich. III. Wissenschaft Hugo Iltis: Volkstümliche Rassenkunde. Urania, Jena. 41 Abb. 80 S. 1930. Der Botaniker und Mendelforscher Hugo Iltis hat hier eine sehr saubere Abhandlung zur Rassenkunde geschrieben. Daß unvermittelte Rassenmischungen auch bedenkliche Schäden hervorbringen können, hätte indessen auch in diesem» Buchlein hervorgehoben werden sollen. Rassenmischungen bringen Fragmente und Genien hervor. Die populären „Rassenkundler" deuten bloß auf die Fragmente. Es ist andererseits nicht richtig, bloß auf die Genien zu deuten. Die Entwicklung ist ein ungeheurer Prozeß, in dem es Hobelspäne und verschnitzte Formen in Fülle gibt. Die naturwissenschaftliche Grundlage des Büchleins ist, wie zu erwarten, ausgezeichnet. Die soziologischen Deutungen gehen zu weit. K. Gerlach: Begabung und Stammesherkunft im deutschen Volk. J. F. Lehmann Verlag, München. 1929. Mit 23 zweifarbigen Karten. Mit einem erfrischenden Willen zur Wahrheit hat der Verfasser den Grundstock zu einem Atlas der Begabungen gelegt. Die Arbeit ist überaus sauber. Man vermißt da und dort die Eintragung eines Namens (z. B. Gneisenau), aber nirgends hat man den Eindruck, daß die Dinge umgebogen werden. Das Buch ist für die Kenntnis des Wandems der Schwerpunkte deutscher Kultur überaus lehrreich. Die Kulturen brennen — namentlich in Mischungsherden — auf, verzehren sich und verkühlen. Das Buch ist unter den populär gedachten Büchern zweifellos das beste und sauberste. Es gehört selbst in streng wissenschaftliche Büchereien. Leider macht der Begleittext manchmal Konzessionen an unwissenschaftliche Zeitströmungen, aber die Statistik des Werkes ist über allen Zweifel erhaben. Eines der verdienstvollsten Bücher deutscher Volkskunde' Ernst Kretschmer: Geniale Menschen. J. Springer, Berlin. 1929. 252 S. Mit einer Porträtsammlung. Mit hinreißender Gestaltungskraft hat Kretschmer das Ineinanderbranden der deutschen Grundrassen beschrieben und den Sprühregen gesehen, der aus den Mischungszonen aufsteigt. Die vielgeschmähte alpine Rasse erscheint hier 172