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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur [Rezension]
Date
1932-08-01
Page
168 (sequence 6)
Language
German
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Friedrich Merkenschlager die gerne hören, daß ihre Vorfahren Helden, Jäger, Ritter und Bauern, Alleskönner zu gleicher Zeit waren. Wohin dieser allzufrühe Beifall Unkritischer führt, zeigt das zweite Buch des Verfassers: „Neuadel aus Blut und Boden" (Lehmann, München). „Hegehöfe" für eine Hochzucht! Also Naturschutzparks. Der Verfasser will Zuchtwarte aufstellen. Die deutschen Mädchen werden in Zuchtregister eingetragen (4 Rubriken). Ein unadeliges Buch durch und durch. Man lese die ätzenden Sätze nach, die B. Shaw in seinem „Wegweiser für die intelligente' Frau zum Sozialismus und Kapitalismus" im Abschnitt Rasse bringt. Es ist beizender Spott gegen die Tierzuchtwarte der Menschheit. II. Dichtung und Wahrheit E. Gunther Gründet: Die Menschheit der Zukunft. München-Berlin 1929. 200 S. Der Verfasser sucht ehrlich und gewissenhaft nach eugenischen Wegen und Zielen. Die Übersteigerung der „Rassenlehren" lehnt er mit erfreulicher Klarheit ab. Er betont überall, daß es auf die Synthese ankomme und nicht auf reine Linien. Er glaubt an die Möglichkeit der Geniezüchtung. Hier beginnen die Irrwege des Verfassers. Da man die Wege der Umweltentwicklung nicht kennt, kann man auch nicht auf sie hinzüchten; Rezepte zur Geniezüchtung sind harmlos. Rezepte zur Bildung von Minderwertigkeitsgefühlen aber provozieren die Bildung von Genien der Gegenformen. Druck erzeugt Gegendruck. In der Entwicklungsgeschichte zeigt sich der Gegendruck stärker, weil er Vitalwerte sammelt und mobilisiert und weil die Überwertigkeitspsychose den vitalen Druck mindert. Wenn die „Eugenik" von heute das Dogma der Schöpfung gewesen wäre, dann hätten Sokrates aus hochgradig-basedowkranken Erblinien, Beethoven als Erbe eines notorischen Trinkers, Schiller aus tuberkulösen Erblinien, Goethe aus manisch-depressivem Erbmaterial nie geboren werden dürfen. Nur der seelisch ausgebrannte und wirklich fertige Teil des Volkes liefert die Überwertigkeitspsychopathen, die innerlich verarmt, in Rassenlehren, in denen sie ihre Apotheose finden, ihren letzten Anker suchen. Die älteren Eugeniker haben immer noch den Ehekuhhandel der Vorkriegszeit im Auge. Die Probleme liegen heute ganz anders. Es herrscht heute viel mehr Verantwortungsgefühl. Der Umschichtungsprozeß hat die Bodengare der Fruchtbarkeit 168

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