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Der Morgen · 1932-08-01 · Heft 3 (August 1932) · p. 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 3 (August 1932)
Article
Streifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur [Rezension]
Date
1932-08-01
Page
165 (sequence 3)
Language
German
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Slreifzüge durch die wissenschaftliche und scheinwissenschaftliche Rasseliteratur werden zunächst „Negerblut-führende Europäer" aufgezeigt: Bismarcks Leibarzt Schwenningen Hanns Johst und Friedrich Lienhard, Eberhard König, F. A. Kaulbach und Fechner. Von den „Mongolenblut-führenden" zeigt er Börries von Münchhausen, Johannes Müller, Gustav Freytag, Ernst von Wildenbruch, Sven Hedin, Marie von Ebner-Eschenbach, Friedrich Ebert und andere. Jeder erhält seine Diagnose. „Dagegen finden sich unter Börries von Münchhausens Balladen einige wenige, die schon in das hinaufreichen, was man Kunst nennt. Er ist dem nordischen Typus nicht nur sehr nahe, sondern schon nordisch bestimmt. Nase und Mund verraten noch den ostischen Blutanteil." „Alpin ostisch" ist die Kronprinzessin Cäcilie, „deren Lippen auf afrikanischen Einschlag zeigen". Justinus Kerner hatte „mongolischen Einschlag"; und so „versenkte er sich in mystische Spekulationen, glaubte, da sein eigener Geist nicht danach war, an Geister und schrieb Gedichte von meist jämmerlicher Unkunst". In einer anderen Abhandlung schreibt der Verfasser, daß Beethoven als ostischer Mensch, trotz einer gewissen Größe, wenig sympathisch sei. Goethe wird als Mischling abgetan. — (Westermanns Monatshefte haben diese Geschwister nicht verdient.) Die Bücher des „Rassenforschers" O. Hauser (nicht zu verwechseln mit dem echten Anthropologen O. Hauser-Weimar) gehören zu den ödesten und elendesten Niedrigkeiten deutschsprachiger Literatur. Die Bücher sind selbst den Antisemiten zu niedrig, und so machten sie den Verfasser zu einem „jüdischen Bastard". Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung! Josias Tillenius: Rassenseele und Christentum. J. F. Lehmann Verlag, München. 1926. Geh. 2.40 Mk. 52 S. Ein evangelischer „Seelsorger" im Pseudonymen Gewände hat hier ein Buch geschrieben, das sich durch besondere Oberflächlichkeit und Charakterlosigkeit auszeichnet. Der pseudonyme Kanzelprediger stellt zunächst fest, daß der ostische (alpine) Mensch, „dem Herdentrieb folgend, in größerer Zahl zum Gottesdienst kommt, als der nordische Mensch, infolge seiner Neigung zur Freiheit". Dann gibt er auf 52 Seiten das Rezept zur seelsorgerischen Behandlung dieses alpinen Herdentriebes. Das Rezept lautet: „Wenn das wahr ist, daß der Oste gern und mit dem Haufen geht, so wäre es ja wohl seiner Art gemäß, wenn wir ihn beim Haufen ließen und als Haufen behandelten. Wir kämen auf dasselbe heraus, was ein deutscher Missionar aus der Kenntnis 165

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