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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 129

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Mirabeaus Judenpolitik
Date
1932-06-01
Page
129 (sequence 8)
Language
German
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Mirabeaus Judenpolitik Juden über diejenigen guten Christen, die in judenfeindlicher Absicht darauf gedrungen hätten, daß man die Angelegenheit auf der Stelle entschied. Nachdem sich somit für den Augenblick die Aufnahme der Juden in den französischen Staatsbürgerverband allgemein als untunlich herausgestellt hatte, begann man, die Möglichkeiten der Eingliederung der französischen Juden in den vier „Ansiedlungsrayons" im einzelnen näher zu prüfen. Auch Mirabeau nahm an dieser neuen Politik der regionalen Befreiung nach Maßgabe seiner Kräfte aktiven Anteil. So ließ er sich von den im Januar 1790 in Paris weilenden Notabein der Juden von Bordeaux über die dortigen Verhältnisse direkt informieren. Aber auch soweit er nicht mehr Veranlassung hatte, in die Entwicklung direkt einzugreifen, weil die Dinge von selbst den gewünschten Lauf nahmen, betonte doch seine Zeitung von Fall zu Fall ausr drücklich, daß diese Politik einer örtlichen Eingliederung der Juden Mirabeaus Vorstellungen vollauf entsprach. Die spaniolischen Kaufleute und Reeder von Bordeaux und Bayonne hatten nicht nur in diesen Städten wirtschaftlich und gesellschaftlich eine geachtete, produktive Stellung, sondern man konnte auch ihre aus der Zeit des alten absoluten Königtums her stammenden ständischen Privilegien unschwer in die Bürgerbriefe des neuen französischen Rechtsstaates umwandeln. Daß man mit dieser neuen positiven Politik, die am 28. Januar 1790 zm4 gesetzlichen Gleichstellung der Juden von Bordeaux und Bayonne führte, auf dem rechten Wege war, bewies die Genugtuung, mit der die Bürgerschaft sie als „Kameraden und Brüder" begrüßte. Der Courrier de Provence verlangte nach dem Gelingen dieses ersten Abschnittes der französischen Judenbefreiung von den elsaß-lothringischen Juden, sie sollten dem Beispiel ihrer südfranzösischen Religionsgenossen nacheifern; dann würde man nicht mehr von portugiesischen oder spanischen, elsässischen oder deutschen Juden sprechen, sondern nur noch von französischen; oder vielmehr, man würde nur noch Bürger sehen, ohne sie nach dem Glauben oder nach rein religiösen Bräuchen zu messen. Ebensowenig Schwierigkeiten machte die Ausdehnung der Rechte der Juden von Bordeaux und Bayonne auf den kleinen Bezirk von Avignon, die am selben Tage beschlossen wurde. Endlich schloß sich der Courrier auch den Argumenten des Antrags der Pariser Kommune an die Nationalversammlung an, der für die hauptstädtischen Juden die Bürgerrechte verlangte und gewährt erhielt „in Anbetracht dessen ..... daß der patriotische Eifer, den sie 9 129

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