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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 130

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Mirabeaus Judenpolitik
Date
1932-06-01
Page
130 (sequence 9)
Language
German
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Hanns Reißner: Mirabeaus Judenpolitik bewiesen haben, sie vorweg der französischen Nation eingegliedert habe". — Hinsichtlich der Lage im Elsaß jedoch konnte sich der Courrier nicht „die heftige Abneigung" des Landvolkes gegen die Handelsjuden verhehlen und mußte den Zweckmäßigkeitserwägungen beipflichten, die die Nationalversammlung veranlaßt hatten, die Erfüllung der Wünsche der elsässischen Juden aufzuschieben. Nun standen zwar die Grundsätze der Erziehungspolitik für die Juden des Elsaß seit den Ausführungen der Abgeordneten Hell und Prinz de Broglie unbestritten fest. Aber im Drange, das Verfassungswerk abzuschließen, gelangte ein entsprechendes Gesetz nicht mehr zur Durchberatung. Die Sache blieb vielmehr in einem Ausschuß begraben. Mirabeau blieb trotzdem, wie eine Denkschrift vom 21. Januar 1791 beweist, bis zu seinem vorzeitigen Tode am 2. April 1791 der Existenz der elsässischen Judenfrage eingedenk. Die Nationalversammlung selbst hat in zwölfter Stunde, kurz vor ihrem Auseinandergehen, am 27. September 1791, noch die Gleichberechtigung aller französischen Juden dekrediert, — eine Geste, die sie menschlich, ehrt, die politisch aber durchaus nicht genügte, weil die im Elsaß zu lösende soziale Frage damit kaum in Angriff genommen war. Mirabeaus Judenpolitik blieb somit unvollendet wie sein staatsmännisches Werk überhaupt. Trotzdem war auch in der Sache der Juden sein mannhaftes Eintreten von bleibender geschichtlicher Bedeutung. Er hat in der europäischen Öffentlichkeit weithin das Gefühl der Schuld an dem „unbilligen Mißbrauch der gesellschaftlichen Macht gegen die Juden" und das Bewußtsein der Mitverantwortlichkeit von Bürgertum und Regierung an dem Gelingen der moralischen Selbstbefreiung der Unterdrückten von ehedem verbreitet. Das Geheimnis seiner Wirkung beruht auf der zwingenden Kraft, mit der er, gegenüber allen Sonderinteressen, das Wohl des gesellschaftlichen Ganzen erfaßte und vertrat 130

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