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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 117

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Flucht vor der Vernunft [Rezension]
Date
1932-06-01
Page
117 (sequence 2)
Language
German
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Eva Reichmann-Jungmann: Flucht vor der Vernunft Eine interessante Ausnahme von dieser Methode bildet die Schrift von Eh-. Walther Scheune mann „Der Nationalsozialismus" (Der Neue Geist Verlag, Berlin 1981). Der Verfasser unternimmt es in dieser quellenkritischen Studie, die Staats- und Wirtschaftsauffassung des Nationalsozialismus selbst zu untersuchen. Nicht, daß er ihre soziologischen Hintergründe völlig außer Acht ließe; dazu ist die Arbeit zu umfassend und zu verantwortungsbewußt. Aber ihr Hauptteil ist, — nachdem in einer sehr aufschlußreichen Einführung von drei Kapiteln die Zusammensetzung der Wählerschaft, der Richtungsstreit innerhalb der N. S. D. A. P., sowie ihr Verhältnis zum Faschismus dargelegt ist, — der Untersuchung des Programms an sich gewidmet. Der Verfasser geht dabei mit großer Gründlichkeit zu Werke. Es wird nicht nur jeder einzelne Programmpunkt genau unter die Lupe genommen, den verschiedensten offiziellen und offiziösen Äußerungen von Parteiführern gegenübergestellt, sondern er wird auch nach allen Regeln der Wirtschaftswissenschaft kritisiert, was in den meisten Fällen gleichbedeutend ist mit: widerlegt. Ob es nun das Problem der „Zinsknechtschaft" ist oder die Stellung der N. S. D. A. P. zu Sozialismus, zu Industrie, Mittelstand oder Finanzkapital — um nur ein paar Beispiele aus der großen Anzahl der von Scheunemann bearbeiteten zu nennen — immer ist das Ergebnis das gleiche: der Nationalsozialismus ermangelt jeder inneren Geschlossenheit und Folgerichtigkeit. Die einzigen Maßstäbe, nach denen er seine programmatischen Forderungen dosiert, sind Demagogie und Opportunismus. Sie allein entscheiden, ob heute von der „unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke" (Punkt 17 des Programms der N. S. D. A. P.) oder morgen von dem „Recht der Enteignung gegen angemessene Entschädigung" (Agrarprogramm, Punkt 8) die Rede ist; ob einmal die „Brechung der Zinsknechtschaft" als „stählerne Achse, um die sich alles dreht", (Feder: Das Programm) bezeichnet wird, oder ein andermal der gleiche Wirtschaftstheoretiker der Partei die Achse selbst zerbricht, indem er erklärt: „Der Zins als Prozentzahl, als Hundertsatz für die Berechnung des Ertragsreichtums — der Rentabilität — kann überhaupt nicht abgeschafft werden, weil es sich dabei um Grundelemente der Wirtschaftsrechnung handelt." Trotz dieser durchgängigen Doppelzüngigkeit und Verworrenheit gelingt es Scheunemann, den Stoff so zu systematisieren, daß die folgenden Ergebnisse mit starker Deutlichkeit daraus hervorgehen: Der Nationalsozialismus fußt in seinem Ideengehalt, im Gegensatz zu seinen eigenen ideologischen Äußerungen, 117

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