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Der Morgen · 1932-06-01 · Heft 2 (Juni 1932) · p. 116

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 2 (Juni 1932)
Article
Flucht vor der Vernunft [Rezension]
Date
1932-06-01
Page
116 (sequence 1)
Language
German
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Flucht vor der Vernunft Kritisdie Bemerkungen zu neuer Literatur über die Soziologie des Nationalsozialismus Von Eva Reichmann-Jungmann Für den mit dem vollständigen Rüstzeug wissenschaftlicher Forschungsmethoden ausgestatteten Soziologen muß es eine eigenartige Lockung bedeuten, den Nationalsozialismus zum Gegenstand seiner Arbeit zu machen. Er stößt damit auf dasjenige Gebiet gesellschaftlicher Erscheinungen vor, das sich ihm kraft seiner grundsätzlichen Haltung von sich aus verschließt und erobert so nicht nur Neuland, sondern er ringt es einem Feinde ab, den die einfache Tatsache dieser Eroberung ins Herz trifft. Indem sich nämlich die Kraft der ratio auch dort erweist, wo man aus ihrem Fehlen eine Weltanschauung zu machen sucht, gelingt ihr mehr als ordnende Erkenntnis: es gelingt ihr ihre eigene Rechtfertigung. Nicht etwa, wie ihre Gegner behaupten, als alleinige und unbedingte Grundlage eines sich zum Weltsystem erhebenden Rationalismus, sondern als das Ordnungsprinzip, ohne das menschlicher Geist nicht zu denken ist; von dem er, wenn er sich nicht selbst verlieren will, nicht lassen darf, es habe ihn denn gesegnet. Hier liegt der Hauptwert aller wissenschaftlichen Durchdringung des großen gesellschaftlichen Aufbruchs unserer Zeit, der mit der Bezeichnung Nationalsozialismus ungenau und beinahe irreführend bezeichnet ist. Denn der Nationalsozialismus ist nicht sein Inhalt, sondern nur sein Nutznießer, nicht sein sich immer erneuernder Antrieb, sondern sein trübes Resultat. Deshalb zielen die Analysen, die ihm beikommen wollen, in der Regel auf die Erscheinungen, die ihm zugrunde liegen, und sie treffen ihn um so sicherer, je tiefer die Schichten sind, die sie in die Beobachtung mit einbeziehen. 116

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